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XI .
Das Prorectorat . Die Studien über Creuzer und die Günderode
( 1893—1896 ) .
Zu Pfingsten 1893 hatte Rohde beabsichtigt , der ladung eines ihm nahestehenden Fachgenossen folgend , an der Philologenversammlung in Wien theilzunehmen . Es schien ihm , wie er Th . Gomperz schrieb , »fast eine Ehrenpflicht , gleich den klassischen Studien und ihrem Träger , dem thum , die man beide gleichmässig an die AVand drücken möchte , eine bescheidene Huldigung durch Theilnahme an diesem Feste darzubringen . « Auch ein kurzes , »mehr als eine Art Miscelle gedachtes Vorträglein« aus griechischer ligionsgeschichte hatte er Gomperz in Aussicht gestellt [ G . 13 III 93 ] . Aber die Voraussetzung , dass er bis dahin »mit dem Druck der unseligen fertig sein werde , erfüllte sich
nicht . So sah er sich genöthigt , im letzten Augenblick seine Zusage zurück zu nehmen1 . Erst im Herbst konnte er den zweiten Theil des Werkes ausziehn lassen : »das Ende seiner
1 »Ich selbst stehe ungern von dem Plane zu der Versammlung mich einzufinden ab , und besonders von der Aussicht , so manche , nach ihrer geistigen und wissenschaftlichen Physiognomie mir wohlbekannte trett' - liche Männer auch persönlich kennen zu lernen . Aber es geht nicht anders . Force majeure . Ich kann nur der Versammlung alles Gute , gute und heitre Stimmung ( wer hätte die freilich in diesen Aengsten des terlandes zur Verfügung ) wünschen . . . « [ G . 10 V 93 ] , Ich konnte Rohde im Sommer von meinen Wiener Eindrücken erzählen . Der Mann , der damals , soweit das ein Einzelner kann , in Wien für die rechte Stimmung sorgte , steht jetzt an weithin sichtbarer Stelle .