Full text: Erwin Rohde

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Verhältnis zur Heimath . Musikliebe . 
sieht das aus , wie eine stille Huldigung vor den Hamburger Thukydideern . 
Am 31 . März 1864 bestand Rohde die Reifeprüfung mit schönem Erfolg1 , blieb aber aus freien Stücken noch ein Jahr in der höheren , mehr akademisch zugeschnittenen Ab - theilung der Anstalt . Er belegte hier in jedem Semester ein Colleg über Philosophie und deutsche Geschichte ( bei Redslob und Aegidi ) und hörte sämmtliche Vorlesungen des alten Chr . Petersen , ausser Plato de legibus , Aristophanes , Plau - tus eine durch das ganze Jahr weitergesponnene 'Geschichte der griechischen Mythologie' , nach dem Zeugnis des Lehrers „ mit ausgezeichnetem Eifer und regem Fleiss , sowie dem besten Erfolg " . Hier werden die tiefsten Wurzeln der 'Psyche' liegen . Als „ Beweis seines Privatüeisses " legte Rohde Catullische Studien vor ; Catull , der naivste unter den römischen Poeten , war und blieb einer seiner besten Freunde . 
Daneben wirkte in den letzten entscheidenden Jahren auf seine werdende Individualität still und mächtig das reiche Leben der Bürgerrepublik , der anzugehören er das Glück hatte und deren Sonderart und Bedeutung er lebhaft empfand ; er hat sie später , mit gerechtem Stolz , gelegentlich mit' dem alten Kaufmannsstaat von Rhodos verglichen , dem letzten Träger griechischer Grösse in den Zeiten des Niedergangs . »Im Grunde bin ich wie jeder Hamburger« bekennt er als Student »ein eifriger Chauvinist für meine gute alte stadt . Es ist wirklich hier gar mancherlei zu lernen , und so ist es gar nicht allein Egoismus , wenn ich Dich dringend lade , mich doch einmal . . . zu besuchen : ein wenig tung für Paris wäre auch das« [ N . 28 IV 68 ] . Persönlich nützte er eifrig jede Gelegenheit aus , die »Flamme seiner stillen künstlerischen Neigungen« zu nähren , vor Allem seine schaftliche Musikliebe , die eine der sein Dasein tragenden und bestimmenden Mächte geworden ist , obgleich er den rechten Augenblick , sich die technische Herrschaft über ein Instru - 
1 Das erste Prädikat liât er im Lateinischen , Griechischen , Deutschen , Englischen und in der alten Literaturgeschichte ; ihre Unterschrift als minatoren geben Corn . Müller , F . W . Ullrich , E . P . Hinrichs , G . H . Bu - bendey , L . Herbst , E . Meyer , E . W . Fischer .
	        
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