204
Philosophie und Philologie .
der Charakteristik am Schiusa seiner Darstellung ( S . 123 ) geht es hervor , dass er hier , in einer christlich - romantisch gestimmten Menschenseele , dasselbe Erlösungsbedürfnis lebendig ringen sah , das er , als innersten Kern auch der antiken stik , verstehn gelernt und gelehrt hatte . So haben ihm doch wieder seine eigensten Studien in dies Dunkel hineingeleuchtet .
Hervorzuheben ist noch Eins . Rohde hat selbst einmal die Sitte der hellenistischen Poeten und Schriftsteller sprochen , Freunden durch versteckte Citate aus ihren Werken eine Huldigung darzubringen . Und wie in der Psyche , gegnen wir auch in diesem letzten Werke den Spuren sches . So ist das Schlagwort , mit dem Rohde Creuzer's Philologie charakterisirt : philosophici fiebat quae pläiologia fuerat ( p . YI ) aus Nietzsche's Baseler Antrittsrede über Homer entlehnt ( 1869 , Werke IX S . 24 ) 1 . Es ist der j u nge Nietzsche , auf dessen Antlitz er sein Auge weilen lässt . Aber ist diese Huldigung , im gegebenen Zusammenhange , nicht zugleich eine Kritik ? In der That , Rohde's Zutrauen zu der Tragfähigkeit philosophischer Speculation ist in jenen Jahren nicht gestiegen . Was er kannte von Versuchen , zu letzten Einsichten und Zwecken vorzudringen , hielt vor seiner Skepsis nicht stand . Resignirt meinte er schliesslich , ein Stück schlichter Arbeit zu bleibender Nutzung hingestellt zu haben , scheine ihm hin »ein Trost in diesem zweideutigen Leben , dessen Zweck kein Mensch angeben kann« [ Schm . 20 YI 96 ] .
* *
*
So blieb Rohde weiter »im alten Arbeitstrott« . Mit dem Gedanken , einmal gründlich auszuspannen , hat er wohl oft genug gespielt , aber niemals recht Ernst gemacht2 . Dabei wollte ihn die unheimliche Empfindung , dass sein Leiden , auch
1 Rohde kannte sie längst aus dem von dem Freunde veranstalteten Privatdruck .
2 Es klingt wehmüthig genug , wenn er sich nun vornimmt , »alle Ferien gründlich auszunützen : wer weiss wie viele man noch hat . « Seine Zuflucht war meist Baden - Baden , »der einzige Ort diesseits der Alpen , wo man zu jeder Zeit Sonnenschein und Waldluft athmen und sich etwas ausstauben kann« [ V . ] .