Todesahnungen . Die Familie .
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in besseren Tagen , fortglimme , kaum noch verlassen . »Mir geht es nicht extra« — sagt er in seiner schlichten Art — , »Mancherlei beengt und beängstigt mich [ Schm . 20 VI 96 ] . Er hat gewusst , dass es zu Ende ging . Aber was ihn quälte , war weniger der Gedanke an das eigne Schicksal , als die Frage , was aus den geliebten Angehörigen werden solle , deren Existenz so unbedingt auf der seinen ruhte . Fast wider Willen verräth sich in den Briefen sein sorgendes Vaterherz . Damals liess er die älteste Tochter die Seminarklassen besuchen , »nicht um dieser 'Bildung' willen« , sondern um ihr die Möglichkeit eignen Verdienstes offenzuhalten«1 . Solche Sorgen legten sich wie ein grauer Nebel selbst vor die letzte grosse Freude seines Lebens , das Heranwachsen des jüngsten Söhnleins . Aber bald verschwinden alle Schatten , wenn er von seinem Hans Adolf spricht . Selbst bei der Arbeit wollte er die Nähe des ten Kindes nicht missen , während er sonst durch die kleinste Störung um die rechte Stimmung gebracht werden konnte - .
1 In einem Brief an Rühl meint er , er möchte wohl ein reicher Mann sein , um der Tochter das ersparen zu können [ Rii . 16 XII 95 ] . »Ich wünsche ihr freilich diese Lehrerinnenplage nicht ernstlich , sondern ein normales Frauenlos . Immerhin besser so eine , wenn auch angestrengte Thiitigkeit , als das elende Herumdämmern in weibischen Nichtigkeiten , wie es unverheirathete Damen sonst meist aufführen« [ V . 17 II 96 ] . Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt , dass Rohde in Zeiten , wo sich die zahl der Docenten gegen das Frauenstudium ablehnend verhielt , einige genügend vorbereitete Hörerinnen in seinen Vorlesungen zugelassen hat .
2 Sogar der alte burschikose Humor meldet sich , wenn er etwa die neusten Erfahrungen in der Kinderpflege und mit den Kindspflegerinnen schildert [ R . 15 I 96 ] .