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XII .
Das Ende . Zur Charakteristik .
( 1897 . 1898 . )
Das letzte Lebensjahr brachte Rohde noch manches bare Zeichen des Erfolges , vor Allem die Ernennung zum correspondirenden Mitglied der Münchener Akademie und eine Berufung nach Strassburg1 , die ihn freilich , Dank dem schnellen Eingreifen des badischen Ministeriums , nicht lange in Athem hielt . Auch andre Ehren blieben nicht aus2 . Dazu mehrte sich die Zahl der Studenten wieder stetig«8 , und manche Gefahr , die Rohde für seine Lehrthätigkeit gefürchtet hatte , schien gnädig vorüberzuziehn . Aber sein Leben blieb tief umdüstert durch das peinvolle Leiden , das dem so lich fühlenden Manne bald jede starke Bewegung und regung verbot . Geradezu vernichtend traf ihn im Beginn des Jahres die hoffnungslose Erkrankung seines spätgebornen sten Söhnleins . Als nach einem kurzen Leben voll schein« sein Liebling von ihm ging , nahm er den letzten Rest der Lebenskraft des Vaters mit hinunter in's Grab .
Es giebt Nichts , worin sich das tiefste Empfinden Rohde's so bezwingend ausspräche , wie die Briefe , die er sich in diesen
1 Die Anregung dazu war von Th . Nöldeke ausgegangen , der Rohde schon in seinen Kieler Anfangen richtig eingeschätzt hatte , s . oben S . 51 . 63 . »Ich bleibe auch im Ganzen gern hier« , schrieb R . einige Monate später ; »Heidelberg hat immerhin viel persönliche Vorzüge vor Strassburg . . . « [ Rü . 23 III 97 ] .
2 Rohde war zuletzt badischer Geheimer Rath und im Besitz der üblichen Ordensauszeichnung .
3 »Ich habe wenigstens 25 im Colleg , darunter freilich ein Weib ! «
[ Rü . 23 III 97 ] .