Der Tod des Söhnchens .
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dunkeln Monaten abgerungen hat . »Das war ein trauriger dunkler Winter« — heisst es in einem Schreiben an Riihl , — , »der jetzt zögernd von uns Abschied nimmt . Der lust unsres geliebten Kleinsten hat mich tiefer Erschüttert als ich sagen kann . . . Es war ein fröhliches und liebevolles , schon zu einem deutlich sich aussprechenden Charakter wickeltes kleines Wesen , unser aller tägliche Freude , wahrhaft das Licht unsres Lebens . . . Ich kann nicht ohne Erzittern des Herzens an diese schrecklichen Tage und Nächte denken , in denen es uns stufenweise ferner gerückt und letzt ganz entzogen wurde ; die Verdammten in der Hölle können nicht tiefer leiden . Ich bin zu alt , um diesen Verlust , diesen mir eigentlich immer ums Herz schwebenden Kummer noch ganz verwinden zu können . . . Ach , wir liebten ihn , und lieben ihn in Ewigkeit . . . « Vergebens suchte Rohde Trost und Vergessen in einer Reise über die Alpen , bei der ihn seine Frau begleitete ; diesem Dämon gegenüber blieb der ber des Südens ohnmächtig1 .
Aber immer wieder rang sich sein elastischer Geist empor zu Stimmungen ruhiger Betrachtung und gesammelter Arbeit .
1 Noch , im Herbst — kurz vor seinem Tode — schreibt er : »Die un - ausgefüllte Lücke am Tisch und im Zimmer mahnt uns täglich , was wir verloren haben — niemals schliesst sich diese Wunde , der leiseste Stoss reisst sie auf . Mein Kind ! Ich werde das , so lange oder kurz mix - die Zeit noch zugemessen ist , nie vergessen können ; das Leben hat eine schmerzlichere Färbung angenommen und niemals scheint uns Eltern die Sonne mehr ganz hell und heiter : es steht immer ein dunkler Fleck vor . . . « [ Schm . 29 IX 97 ] . Unvergleichlich ist ein Brief an Ribbeck [ Il I 97 ] aus den Tagen des frischesten Schmerzes : ein Threnos von fast dichterischer Kraft , den man freilich abdrucken zu lassen sich scheut — der Schluss dieses Briefwechsels . Gehaltener klingen die Worte , in denen er einen Monat später seines Verlustes in einem Beileidschreiben anRibbeck'e Frau gedenkt : »Ich kann ungefähr ermessen , wie viel Sie mit Ihrer Schwester verlieren , wie nun Ihr Leben ärmer wird an Sorge und Freude , und an Liebe . „ Ohne Liebe lebt man nicht , das ist richtig , Sie macht's Leben wichtig " — ein kindischer Spruch und wie tiefe fahrung spricht er aus ! Mir blutet noch das Herz im stillen weiter an dem Schmerz um den Hingang unsres geliebten Kleinen ; ich verstehe aus tiefster Sympathie , was Sie nun im Stillen leiden werden . Was soll man davon sagen ? „ Schweig , leid' und trag . . . Ach , der Leib ist doch nur der untergeordnete Diener ; was wir lieben , was uns wiederliebt , das wollen wir haben und nicht loslassen , das ist unser einziger rer Besitz . « 'ISoù ó âv & pwjtoç .