Full text: Erwin Rohde

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Die zweite Ausgabe der Psyche . Das Ende . 
Am 27 . November 1897 konnte Rohde die Vorrede zur zweiten Auflage der Psyche absenden . Wer spürt in seinen gelassenen , an einigen Stellen wie mit halbem Lächeln tragenen Geleitworten einen Schatten des Kummers , der so schwer auf seiner Seele lastete ! Eines litterarischen Angriffs , der ihn seiner Zeit in grimmige Entrüstung versetzt hatte , gedenkt er allerdings mit scharfer Ironie : aber selbst über diesen Worten liegt eine eOSca , die seiner Polemik in den letzten Jahren fremd geworden war . 
Noch am siebenten Januar des neuen Jahres schrieb Rohde eine lichtvolle Besprechung von Roscher's Buch über die Kynanthropie ( Kl . Sehr . II , 216 ) ; die alten Pi'obleme Hessen ihn nicht zu Ruhe kommen . Am zwölften wollte er trotz aller Beschwerden seine Vorlesungen wieder aufnehmen . Am Tage vorher nahte ihm der Tod , als »der schöne , heilende Dämon« , wie er es schon in jungen Jahren geahnt und wünscht hatte . In dieser letzten Leidenszeit hat Rohde selben geistigen Heroismus bewährt , wie einst sein licher Freund — gestützt freilich und getragen durch eine Genossin , die das eigne Leben einzusetzen bereit war , um das seine zu retten1 . Er ging dahin wie ein Held nach nener Schlacht , im Vollbesitz seiner geistigen Gaben und auf der Höhe seiner Erfolge . Haus zu halten mit seiner Kraft hatte er nie recht gelernt . Schön zu leben schien ihm wiin - sch ens werther , als zu leben — nach der Lehre eines jener alten Weisen , die ihm allezeit mehr gewesen sind , als rarische Probleme . So war es gerade für ihn eine Gnade , dass er 'aufstehn durfte vom Mahle des Lebens , ehe die Kerzen bleich werden und der Wein sparsam perlt' 
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1 Nicht gar zu lange , nachdem diese Worte geschrieben waren , ist sie dem Gatten hinübergefolgt . 
2 Mit den Worten der Karoline von Giinderode ( Schmid S . 104 ) . »Man wird nicht reicher durch längeres Leben« sagt er einmal [ Rü . 21 XI 93 ] in einer Zeit der Depression , wo er sich »schon viel zu alt« vorkam . Er wollte wie der , in der Psyche mit fühlbarer Sympathie geschilderte Epi - kur , lieber intensiv leben , als extensiv , »in dem Moment alle Lebensfülle zusammendrängend , so dass das kurze Leben allen Inhalt eines langen gewinne« .
	        
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