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seines Berufes stehend , jugendfrisch und voll lebendigen Interesses für alle Zweige seiner Wissenschaft , wird in jedem einzelnen Beitrage das Bestreben erkennen , ihm Verehrung und Dankbarkeit zu bezeugen .
Unter Hinweis auf die ausgezeichnete Monographie von Courvoisier , der allen , die sich mit der Pathologie und Chirurgie der Gallenwege beschäftigen , die literarische Vorarbeit bis zu einem gewissen Grade erspart , sei es gestattet , oline Weiteres auf die eigenen Beobachtungen einzugehen .
Fall I . Anamnestisch , früher wiederholt Schmerzattacken , verbunden mit Ikterus . Seit 3 Monaten charakteristische scheinungen der Pylorus - Stenose . Operation . Ein grosser solitärer Gallenstein drückt auf , den Pylorus . Entfernung des Steines mitsammt der Gallenblase , . Tod am 2 . Tage nach dem Eingriff . 76jährige Frau , die ich am 2ci . März 1889 zuerst mit dem arzt sah . In früheren Jahren hatte sie zuweilen an Magenbeschwerden litten . Die Anfälle gingen , nachdem moi^t ein vorübergehender Ikterus getreten war , rasch vorüber . Seit 3 Mon " * ■ - . n litt sie an regelmässigem Erbrechen aller Speisen , an heftigen Schmerzen oberen Theile des Leibes und an Stuhlverstopfung . Bluterbrechen war dagewesen . In den letzten Monaten etwas Abmagerung . Patientin war n kachektisch , hatte vielmehr frische , rothe Backen , fühlte sich aber so . ^d , dass sie bei der Erfolglosigkeit der bisherigen inneren Behandlung auf jtuen operativen Eingriff einzugehen neigt war , falls er Aussicht auf Hülfe brächte . Ikterus fehlte , der Leib war weich , durch die fettreichen Bauchdecken fühlte man die Gegend des gastriums etwas aufgetrieben , aber nicht sonderlich empfindlich . Bei tieferem Eindrücken fühlte man im rechten Hypochondrium unter der Leber eine Härte . Leber und Milz von normalen Grössenverhältnissen . Der Magen fasste etwa 1 Liter Flüssigkeit und war bereits nach Durchspülung von 3 Litern rein . Urin eiweissfrei .
Ich stellte trotz des Fehlens der Kachexie die Wahrscheinlichkeitsdiagnose auf ein an der unteren Leberfläche adhärentes Carcinom . Vorübergehend dachte ich an ein Gallensteinleiden , namentlich wegen der Anamnese ; aber ich konnte die Erscheinungen der Pylorusstenose damit nicht in Zusammenhang bringen .
Da die Frau selbst , ebenso wie ihr Sohn , der sehr um die Mutter besorgt war , dringend eine Operation wünschte , so entschloss ich mich dazu , obgleich ich mit Sicherheit eine bestimmte Aussicht auf ein günstiges Resultat nicht geben konnte . Die 76 Jahre der Patientin schienen mir kein Hinderungsgrund zu sein , zumal die Patientin noch frischer war , als viele Menschen mit 60 Jahren . Falls sich ein Pyloruscarcinom herausstellen sollte , beabsichtigte ich , die dünndarmfistel anzulegen .
5 . April 1889 . Schnitt zwischen Proc . ensif . und Nabel in der Mittellinie . Im oberen Theil des Schnittes liegt der Magen , im unteren das grosse Netz . Der Magen lässt sich nicht vorziehen , weil der Pylorus fixirt ist in der Tiefe . Der eingeführte Finger fühlt an der unteren Leberfläche einen dicken harten Stein , der dem Pylorus direkt aufliegt . Nach weitem Auseinauderziehen der Wundränder zeigt sich dem Auge ein weisser Tumor von Taubenei - Grösse und Form mit dem längsten Durchmesser sagittal gestellt . Es machte den Eindruck , als wenn er die weiter nach hinten gelegene Gallenblase wäre , die einen grossen