Die Antike als Wegweiser zu einer neuen Kultur . 213
für seinen Freund ) der günstigste Standpunkt für eine univer - salgeschichtlicke Betrachtung der Kultur durchaus auf dem Boden der Antike : hier war der grosse Kreuzungspunkt , auf dem alle Strassen und Wege schliesslich zusammenliefen
Aber Rohde stand der Antike nicht nur als Historiker gegenüber . In ihm blieb immer etwas lebendig von der losophisch - reformatorischen Stimmung seiner Jugendjahre , und er hat manches scharfe Wort gesprochen über die altklugen Kritiker »im neuen Reich« , die diese unvergleichliche Welt mit süffisanter Ueberlegenheit behandeln zu dürfen glaubten , »in dem satten Gefühl , wie wir's so herrlich weit gebracht«2 . So wenig Rohde die Absicht hatte , einem flauen Classizismus das Wort zu reden und unser Ziel hinter uns zu stellen : der Meinung war und blieb er allerdings , dass auch auf den modernen Menschen — und gerade auf den modernen mit seiner »raffinirten Barbarei« — die Erkenntnis scher Art imperativisch wirken müsse . »Ein tiefes Bedürfnis nach voller Menschenbildung , auch in anders gestimmten Zeiten , zu erwecken und wach zu erhalten« — erschien ihm als eine hohe Aufgabe seiner Wissenschaft3 . Wer diese Blätter lesen hat , weiss , dass es Rohde ganz persönlich Ernst war mit diesen unmodernen Gedanken und Idealen . Er wollte kein »gelehrtes Gespenst« sein ; auch seine Arbeit sollte ihm vor Allem dazu dienen , »jede Kraft des Geistes und Gemüthes« , die in ihm wohnte , zu nähren und zu steigern ; und wenn sernen Blick immer wieder auf das Hellenenthum zurückwandte ,
und Schaffen geworden war . Rohde hatte damals sein Hauptwerk unter den Händen .
1 Man darf annehmen , dass Rohde , wenn ihm ein längeres Leben beschieden gewesen wäre , auf seine kulturgeschichtlichen Pläne gegriffen hätte . S . oben S . 193 .
2 S . oben S . 46 f . 173 f .
3 Man vergleiche die Kl Sehr . I p . XXVI f . ausgehobenen Stellen und oben S . 47 ff . 58 f . Hier ist der Punkt , wo sein Interesse für die Schulpraxis entspringt , von der er mehr verlangt , als blosse Routine . In den Heidelberger Jahren hat R . übrigens wiederholt geäussert , dass »ein erfolgreiches Schulmeisterwirken« vielleicht »wohler thut , als dies Soliloquium auf dem Lehrstuhl« ( s . unten S . 272 f . ) . Hier sprechen sönliche Erfahrungen mit , die er damals zu machen Gelegenheit genug hatte .