Cogitata 1870 .
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seiner Zwecke durch die Vorspiegelung individueller sichten treibt , sich dieser Täuschung als solcher bewusst sei .
9 .
'Pantheismus' ist darum ein so völlig sinnloses Wort , weil fl - sò ; eben stets und überall nichts ist , als der zur Person hypostasirte Begriff des Menschen , der 'Pantheismus' aber eben nicht den Menschen zum Centrum und zu der letzten lichen Absicht der Welt macht , sondern ihn in Zusammenhang des All , als Mittel zum Zweck , so gut wie alles Andre , begreift . So streift er ( was den Einzelnen dann freilich nur in teten Momenten gelingt , aber doch stets als Ziel vor Augen bleibt ) in seiner Vorstellung der weltbildenden Potenz das spe - cifisch Menschliche ( d . h . den ihm allein eignen bewuss - ten Intellect ) nach Kräften ( und in der Theorie gänzlich ) ab : womit dann eine Hypostasirung dieser Potenz zu einem Unsinn wird .
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10 .
Der erste Begründer der oben [ 4 ] charakterisirten philosophie' dürfte Anaxagoras sein mit seinen schöpferischen voöc ; . Ihm folgt , mächtiger wirkend , Sokrates , dieser soph des Bewusstseins . Sehr charakteristisch ist , dass Euripides ( cf . Troad . 886 f . ) 1 , der mit Sokrates so eng verbundene , ein Schüler des Anaxagoras heisst . — Die vorsokratischen sophen haben sonst die schönsten Ansätze zur Weltphilosopliie . . . . Man könnte also von Sokrates , mit Parodie des bekannten Spruchs des Cicero , sagen , dass er die Philosophie vom All der Natur zum Menschen herabgeführt habe .
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11 .
Nach Sokrates bildet sich im Griechenthum immer mehr eine einseitige Richtung auf das Be wu ss te aus , mit gänzlicher Verwerfung alles Instineti ven : diese , mit ganz hellenischer
1 Die Parenthese ist im Mscr . oben nachgetragen ; es ist die berühmte Stelle Zsùç , six' àva - j - xr ) cpùasoç site vo>jç ßpoiÄv .