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II .
Die Studienjahre . Bonn . Leipzig . Kiel .
( 1865 — 1869 . )
Schon im letzten Jalir auf dem Johanneiim hatte sich Roh de aus freier Neigung der Alterthumswissenschaft wandt ; äussere Rücksichten brauchte er , in den zwar nicht glänzenden , aber sichern Verhältnissen , in denen er stand , nicht zu nehmen . Der Ruf Fr . Ritschls und der Bonner Philologie im Bunde mit der Romantik des Rheins und des Südens zog den hochstrebenden , lebensdurstigen Jüngling an die rheinische Hochschule , wo er am 2 . Mai 1865 immatricu - lirt wurde .
Im ersten — oder dritten — Semester liess er sich für eine Burschenschaft gewinnen , ohne sich freilich , bei seiner ganz auf sich selbst gestellten Art , auf die Dauer mit ihrem Leben und Geist befreunden zu können . Immerhin löste sich in den ersten Monaten eine ganz »normale und kräftige Fuch - senstimmung« aus , der er auch eine flüchtige Bekanntschaft mit dem Bonner Career verdankte1 . Seine reinsten rungen knüpften sich an die Fahrten und Erlebnisse in den Pfingstferien , wo er Verwandte »auf dem Hammer« bei wied aufsuchte und mit seinen Genossen am grossen Kölner Musikfest theilnahm . »Dafür war aber das Fest selbst auch ein Genuss , der für's Leben nachwirken wird , ein rechtes / cxf ; eîç «ei . Am ersten Tage Israel in Aegypten . . . Am schönsten und für mich der Gipfelpunkt des ganzen Festes war das Bassduett von Stockhausen und Stägemann : Der Herr ist der starke Held . Wenn die Beiden zum Schluss
1 »Jetzt soll denn das regelmässige Leben wieder angehen , aber mit der Regel wirds nun einmal in Bonn nicht viel ; überhaupt glaube ich nicht , dass es eine fidelere und mehr zur Freiheit reizende Universität giebt als unser Bonn : mag es nun an der verlockenden Umgegend liegen oder an dem leichten und beweglichen Sinn des ganzen Volkes am Rhein : man kommt eben nicht zu einer regelmässigen Alltäglichkeit« [ E . 65 ] .