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Anhang .
beiden Arten der Dichter gegen einander abzuschätzen , liegt nicht vor : seltener sind freilich die classischen .
28 .
Welch' tiefen Grund mag es haben , dass man hell und klar einsehen kann : selbst die freie , wohl erwogene Philosophie , in deren Lichte Du die Welt erblickst , ist im letzten Grunde , nach der Art menschlichen Erkennens , nicht viel mehr , als eine Allegorie , ein M y t h u s : und gleichwohl bei dieser bar demüthigenden , die Wahrheit der betreffenden Philosophie , neben so vielen andern Mythen verdächtigenden Erkenntnis , ohne doch ermüdet zu seyn , sich beruhigen kann ? 1
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24 .
Das mag wohl der schlimmste Zeitpunkt der Welt seyn , wo die Menge nicht mehr fähig ist , zu glauben . Denn cpiXi - aocfov " XfjD'Oc ; sivat áSúvaxov . Wenn also die Autorität ihnen schwindet , wer wehrt der mühsam , bis hierher , gezähmten Bestie in eben diesem tcX - ^O - oç ? ! Gerade so weit aber sind wir in der herrlichen 'Jetztzeit' gediehen : das Schicksal bewahre die gezeit' !
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25 .
. . . Wirklich empfinde ich , der Schopenhauerschen sophie gegenüber , ganz die siegreiche Zuversicht , die uns ein tiefsinniges Kunstwerk giebt2 : gar nicht eine logische Ueberzeugung von der Unbestreitbarkeit , sondern die Gewissheit , dass solch ein Kunstwerk zu bestreiten , so wäre , als wollte ich mit einem Messer das Wasser in Stücke schneiden . Die Einsicht , dass noch gar viele Kunstwerke , vom Wesen der Welt erzählend , wahr sein könnten , ohne dass dieses darum w e - niger wahr wäre . Kurz , diese Wahrheit ist eine mental verschiedne von aller „ wissenschaftlichen " Wahrheit .
1 Vgl . oben S . 26 . Eine Fortsetzung dieses Gedankens unter Nr . 25 .
2 Ein Weiterspinnen des Gedankens von Nr . 23 .