Full text: Erwin Rohde


232 Anhang . 
Begebenheiten dieser'besten Welt'auf ein traurig - schmerzliches Ende hinausläuft , entweder ein herbes Gefühl von der lichen Irrationalität dieses irdischen Weltlaufes hinterlässt , oder uns mit einem kunstvoll gebauten , nach Ursache und Folge , Schuld lind Strafe absichtsvoll und klar gegliederten Lebenslaufe durchaus aus dem Lande der Dichtung hinausärgert . Eine alt überlieferte , von vielen Geschlechtern liebevoll , wie eine Offenbarung ältester Weisheit gepflegte , allmählich autorlos gewordene Erzählung kann uns das Schrecklichste ohne poetische Zugabe einer s . g . 'Gerechtigkeitslösung' vortragen ; wir nehmen es , erschüttert und zu tiefem Sinnen ergriffen , noch hin , wie einen furchtbaren Vorgang des wirklichen Lebens selbst , ohne Weigerung , wie einen Einblick in ein räthselhaftes Treiben , dessen gewaltige Harmonie wir mehr ehren als stehen . Was aber aus einem einzelnen Menschengehirn eben neu und willkürlich herausgesponnen wird , daran ertragen wir das furchtbar Fragmentarische , höhnisch Harte , grundlos liche nur mit Widerstreben . . . Wenige auch vermöchten es , eine so ganz unerklärlich schreckliche Erscheinung , wie sie das Leben so vielfältig darbietet , ohne Weiteres , d . h . ohne setzung eines raisonnabeln Räderwerkes von treibenden Gründen , in einer Nachbildung hinzustellen . Der Mensch kann schwer seinen angeborenen Causalitätssinn soweit verleugnen , dass er , wenn ihm selbst die Aufgabe zufällt , ein Stück Lebens zu erfinden , in diesem abgebildeten Stücke nicht eine Cau - salitât spielen liesse , die in den Ereignissen des wirklichen Lebens so nicht vorhanden ist : nämlich eine Causalitäts - Wirkung moralischer Ursachen auf äussere eignisse . Er sucht in der ganzen Welt eine solche Cau - salität , und nennt das , was er dafür hält , Gott . In alten überlieferungen erträgt man diese naiv oder tiefsinnig wirkende Gottes - Causalität wohl ; schwer in willkürlichen Erfindungen des Einzelnen : als wo eine grosse Weisheit erforderlich wäre , um solches eigentlich unkünstlerische ( von der reinen Lust am trachten der Erscheinung ablenkende ) Causalitätenspiel in eine künstlerische Sphäre zu erheben . Den eignen Erfindungen , in Specie dem Roman , klebt wesentlich stets eine Tendenz , etwas Didaktisches an , das dem reinen Kunstschaffen im Wege steht . — Wir ertragen , bei eignen Erfindungen terischer Art , weder wenn der Dichter , dem Leben gleich , das Räthsel als Räthsel stehen lässt , noch wenn er uns eine Lösung
	        
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