Cogitata 1873 .
233
in die Hand giebt , deren Unzulänglichkeit im Vergleich mit der tiefsinnigen Wirklichkeit wir wohl empfinden 17 . 5 . 73 .
33 .
Die sonderbaren „ Geschichtsphilosophen " , die den Genius aus dem Gähren und Gebären der vielen Mittelmässigen gehen lassen ! Ich sehe die Sache umgekehrt ; der Genius formt seine Zeit , nicht die Zeit den Genius . Tritt der Genius unter die Menschen , so wirkt er in langen und weiten Kreisen , zur Nacheiferung antreibend , nach , wie der Stein , der ins Wasser fiel . Haben etwa die Wasserkreise den Stein' zum Hineinfallen gebracht , nicht vielmehr der fallende Stein die Wellen und Wasserkreise hervorgerufen ?
34 .
Es giebt Gesichter , bei denen eine etwas lebhaftere gung nicht den Charakter erschliesst , sondern ihn wie zu mas - kiren dient : z . B . Gutschmid . 17 . 5 . 73 .
35 .
Das Paradies , eine goldne Zeit , stand vermuthlich nicht in dem Beginne unsrer menschlichen Geschichte — wie mit den Hebräern auch die tiefsinnigen Griechen glaubten : sicher aber steht es auch nicht an ihrem Ziel und Ende , wie unsre biedern Tageshelden meinen , denen jede zweckmässigem Einrichtung äusserer Dinge ein 'Portschritt' zu diesem Paradiese , jede tere Entfesselung zu geistiger Zügellosigkeit eine schaft' heisst . Die Geschichte sollte die Herren doch eines Bessern belehren in dieser Zeit der 'Historie und Kritik' !
36 .
Betrachtet man die erstaunlichen Befreiungsthaten auf stigem Gebiet am Ende des vorigen Jahrhunderts : die fung künstlerischer , faul gewordener Routine durch Winkelmann , die fanatische Predigt eines Rousseau gegen eine unselige , von den Ahnen ererbte , kranke Verbildung in allen Dingen , Kants philosophischen Drachenkampf , seine fast übermenschliche ( eigent -