Cogitata 1874 .
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rechtigkeit der Welt steigt gleichzeitig mit dem den Glauben an eine transmimdane Ausgleichung . Wo einen Trost finden ? Buddhistische Naturen und Völker finden Trost in der Erwartung einer völligen Vernichtung ; aber das ist ja eigentlich kein Trost für die , die doch auf diese Welt und sie allein angewiesen sind und mit unwiderstehlicher , widerleglicher Liebe dieses seltsame Leben trotz alledem lieben . Es kommt ja darauf an , dieses Leben in seiner Mangelhaftigkeit tröstlicher zu machen : dass es einst einen erwünschten gang ins Nichts nimmt , was hilft uns das ? Die Menge gnügt sich mit dem Palliativmittel ihres kurzsichtigen sinns . Wer das verschmäht , was bliebe dem ? Was bliebe einem ganzen ungläubig gewordenen Volke ? Hier liegt eine drohende Frage an die Zukunft . 24 . 1 . 74 .
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Ein Bonmot kann man eigentlich nur machen , wenn man sich entschliesst , zwei Sachen einmal mit äusserster tigkeit zu betrachten , ihre Aehnlichkeiten zu bemerken , die ungeheuren Unähnlichkeiten zu übersehen . Dieses Talent , zu dem eine gewisse rhetorische Gewissenlosigkeit gehört , ist nun den Franzosen absonderlich eigen , es steckt all ihren Autoren im Blute . In ernsten Dingen macht eben darum eine solche Bonmotsbetrachtungsweise und ein solcher Bonmotstyl den Eindruck eines schlechten Witzes , wohl es dem französischen Autor mit seinen Einfällen meist ganz ernst ist . 24 . 1 . 74 .
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Man kann mit der Schopenhauerschen Philosophie allein nicht leben . Nicht nur darum , weil sie eben , ernstlich nommen , das Leben negirt , und dabei doch in ihrem den Schluss eine leicht erkennbare phantastische barkeit enthält , wie sie wohl einer Religion , wie der dhistischen — der übrigens diese Undenkbarkeit nach ihren Prämissen nicht innewohnt —• geziemen mag , aber nicht einer philosophischen Lehre . Nicht nur darum . Sondern lich darum : weil diese Lehre ihren Blick so tief einbohrend , Crusius , E . Rohde . 16