Full text: Erwin Rohde

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Anhang . 
enthusiastisch anhaltend auf das Einheitliche in dem Leben der Welt und also auch der Menschheit richtet . Diese Einheit ist nun , ihrem Wesen nach , stets die gleiche , durchaus änderliche . Welchen Sinn hätte es , mit solchen auf das änderlich Eine gerichteten Gedanken , noch leben , d . i . im Leben wirken , d . h . noch näher , auf eine Besserung und Steigerung des Lebens hinarbeiten zu wollen ? Da doch das , was man einzig als wesentlich erkennt , was man überhaupt einzig erkennt , einer Veränderung in melius ( oder auch in pejus ) gar nicht fähig ist ? Mit dieser Erkenntnis , wenn sie kein flatternder Schleier der Lebensbegier verdeckt , fällt alle Aufforderung zum Handeln im Leben fort . . . . Was soll man freilich thun ? Sich einen Schleier willkürlich vorbinden ? Oder vielmehr sich dem lässig dringenden Rufe der Pflicht des Menschen ohne weitere Bedenken willig zeigen ? So soll es wohl sein . Im Uebrigen behält diese philosophische Betrachtung tausendmal Recht : und sie soll wie ein tiefer , ernsthaft und strenge in der Tiefe tönender Bass im Concerte unserer Empfindungen und Thaten mitklingen . 28 . 2 . 74 . 
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56 . 
Ich glaube , bei allen Religionen beginnt das surde und Widerwärtige erst dann , wenn sie sich des Lebens der Menschen in seiner ganzen Breite bemächtigen . Sie sind ausgegangen und beseelt von einem ganz einseitigen und Eine Region , gleichsam Ein Segment des weiten Kreises licher Beziehungen einzig in's Auge fassenden , diesen Einen Punct mit aller ihrer Seelenkraft durchdringenden Gedanken : nun soll , nach diesem Gedanken , das ganze Leben in seinen tausendfachen Relationen , geordnet werden ; da wird nun jener Gedanke widernatürlich gereckt und gestreckt und es entsteht der theologische Unsinn und Frevel . 
Nur auf einem mittleren Standpunkte geistiger Befreiung meint man , die Religionen verachten zu dürfen ; ist die cipation auf ihrer höchsten Entwicklung angekommen , so „ sieht
	        
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