Full text: Erwin Rohde

10 Jahn und Ritschi . 
»auf das persönliche Weiterwirken unter Lebendigen tete Kraft1« . Andrerseits fühlte sich der bei aller schaftlichkeit zurückhaltende und spröde Hamburger auch durch Ritschls impulsive Thüringer Art zunächst fast abgestossen ; aber er wurde doch langsam innerlich erfasst und erwärmt »durch die Feuerkraft , die in diesem Ritsehl lebte« . Sein Stimmungsbericht ( in einem Brief an die Eltern ) ist nicht nur für seine Person von Interesse . » . . . Dass in diesem einseitigen Vorgehen . Jahn's . . . [ als er bei der Ablehnung eines Rufes nach Wien die Berufung Sauppes beim Ministerium setzen suchte ] wenn auch nicht eine Rechtsverletzung , doch eine Verletzung der Billigkeit und des usus liegt , der um so eher von einem liberalen Manne beobachtet werden musste , als das Junkerministerium es liebt , eigenmächtig Professoren zu ernennen — das scheint mir klar , wenn auch Jahn's hänger , d . h . eigentlich meine sämmtlichen philologischen kannten , worunter fast das ganze Seminar — es leugnen . So hatte Jahn den Impuls des ganzen Streites gegeben : nun aber haben Ritsehl und seine Anhänger in der Folge sich derartige Blossen gegeben , dass sie Jahn's Schuld reichlich aufgewogen haben2 . . . Die Facultät ist grösstentheils für Ritsehl : Sybel , Springer . . . und einige Andre stehen auf Jahns Seite . Unter den Studenten sind die Philologen fast sämmtlich für Jahn , sogar mit bedeutender Parteiübertreibung . Mir scheint , dass beide Theile nicht völlig im Recht sind . Jedenfalls ist die Sache ausserordentlich fatal . . , zumal ist es sicher , dass Ritschl's Abgang für Bonn ein sehr schwerer Schlag ist : wenn auch ohne Zweifel seine Blüthezeit längst vorüber ist , so thut es ihm doch keiner in seinen Specialfächern an Kenntniss , nialität und klarer Lehrgabe gleich : im Seminar vollends soll er unübertrefflich sein . Was i c h eigentlich hier noch soll , wenn Ritsehl fort ist , weiss ich nicht : ich denke mir , dass ich Ostern wohl fortgehen werde . Ins Seminar bin ich bis jetzt 
1 »Welcker steckt ganz in seinen Büchern , was für seine Bücher von Vortheil ist , denn es steckt ein ganz seltner Mensch drin . « [ R . 23 XII 80 . ] . 
- Es folgen ein paar Seiten mit sehr drastischen Schilderungen , in denen die bei 0 . Ribbeck , 'F . W . Ritschl' II 357 tt' . dargestellten gänge z . Th . in wesentlich andre Beleuchtung gerückt werden . Vgl . gegen die Anzeige in den Kl . Sehr . II S . 459 .
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.