Cogitata 1877 .
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ben ? Die Gottheit tritt , anders als im gewöhnlichen Glauben und Mythus , als eine leidende auf . Wir leiden , verzaubert , mit ihr , sie mit uns : das Leiden der Welt geht in uns ein , läutert uns von unserm Privatschmerz . Ursprung der Tragödie ? 1
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Bei W . Raabes Erzählungsart fiel mir ein : durch sein greifen und Y o r a u s d eu t en zerstört freilich der Humorist die Spannung : aber nun schlingen sich alle Zeiten , wart und Zukunft , durcheinander ; wir empfangen die Ahnung , die Empfindung der 'Idealität der Zeit' : das Ganze wird uns zu einem Spiel — doch zu einem schmerzensreichen . Das macht das Erhabene des Humors aus .
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Die griechische Mythologie hat ihren incommensurabeln rakter wesentlich bekommen durch die unermessliche Thätig - keit der Dichter . Hier deuten zu wollen ist ein Unsinn . Die verkehrte Vorstellung , als ob diese Götter und Heroen nur in einer Maske herumgingen , die man auch wohl abnehmen könnte !
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Der Pessimismus der Griechen ist nicht etwa eine Frucht
1 Ausführlicher , aber in ganz skizzenhafter Form schreibt Rohde etwas später ( 6 . Oct . 77 ) : Griechische Mysterien . Seltsames Gerede : die Griechen mit ihren Gedanken nur aufs Diesseits gerichtet ! Im Gegen - theil : Wohl kein Volk , das an das Jenseit so viel , so bang gedacht hätte . . . Freilich eben darum Genuss des Lebens : aber ein dunkler grund <^bleibt ] > stets bewusst . Ausdruck in Mysterien . — Leidende Gottheit . Ohne Zweifel <^steckt^> eine Art von Pantheismus im Mysterienglauben . Aber nun ist freilich ein gewöhnlicher mus notwendigerweise optimistisch ( Stoiker ) . <^Der> Grieche <Mst> im tiefsten Grunde Pessimist . Das ist für den Pantheisten nur lich , wenn das Leid gleich im Anbeginn der Welt in der zur Welt falteten Gottheit festsitzt . Sie wird Welt eben durch den in ihr lenden Zwiespalt .
2 Vorher geht die oben zu 80 mitgetheilte Betrachtung über glauben und Pessimismus bei den Griechen .