Full text: Erwin Rohde

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Anhang . 
Gemüth , aus ihm fast ganz allein erzeugt . Das ist eine alte Weisheit . Es ist aber mit dem Glück fast wie mit der heit . Es ist angeboren . Man kann es stärken — weniger durch philosophische Reflexionen , als ganz simpel durch nung — , man kann es verstümmeln und verkürzen , wenn man z . B . schon dem Kinde die Empfindungen des Alleinseins in der Welt , der Heimathlosigkeit nicht versüsst , ihm nimmt . . . Das wesentliche bleibt doch immer der angeborene Keim von sundheit — von Glücksgefühl ( denn Glück ist eben nichts als das Gefühl des Glücks ) . Der Vergleich freilich mit der heit hinkt : das 'Glück' ist nicht so unbedingt zu preisen wie die Gesundheit . Das 'Unglück' , glaube ich , steht der Liebe näher , ist in vielen Beziehungen besser , als das 'Glück' . Ohne das 'Unglück' stünde die Welt noch auf viel roherer , härterer dungsstufe etc . 23 . 12 . 77 . 
80 . 
Die Alten hatten den grossen Vortheil bei ihrer Schrift - stellerei , dass die sichersten , wichtigsten , fundamentalsten , zeugendsten Wahrheiten über Menschen , Menschenleben und - kehr , Verhältnis der Menschen zur Weltmacht . . . , zur Natur , zum Tode etc . damals noch ihres rechten Ausdrucks im Worte , ihrer Abbildung in Begriffen harrten . Diese Wahrheiten sprachen sie aus , schlicht und kernhaft . So konnten sie gedankenreich sein , ohne doch , wie Scribenten späterer Zeiten , den sichersten Wahrheiten als 'Trivialitäten' ausweichen und nun feinere , nur individuell überzeugende , durch künstliche Steigerung der hältnisse zu gewinnende , nur durch Ahnung zu erschwingende Gedanken aussprechen zu müssen . Schon bei Piaton ist ches trivial , was es noch nicht für Sokrates war ( für den fältigen Xenophon wurde freilich auch das Trivialste nie trivial : und so ist's mit Plattköpfen allerdings per saccaia saeculorum ) — an Seneca z . B . bemerkt man dann schon sehr stark , wie ein geistreicher Kopf damals seinen und seiner Leser Ekel vor dem 'Trivialen' zu vermeiden hatte . — Man darf übrigens eben darum die eigentlichen 'Alten' nicht allzu 'tief' auffassen . Spätere Autoren sind wirklich in vieler Beziehung „ tiefer " , als die kernhaftesten Alten . Deren Stärke ist gar nicht , dass
	        
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