Full text: Erwin Rohde

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Anhang . Cogitata 1878 . 
schlechterdings nicht darzustellen . Ihr Reich ist der dunkle Untergrund der Welt , aus welcher freilich auch der Mensch auftaucht : aber sie reicht nicht bis ins eigentlich Menschliche empor . Daher denn ihre dunkle , unbestimmte Ahnungen gende Allgewalt , daher ihre Unfähigkeit das Individuelle auszudrücken . So ist denn die Musik stets und immer u n - schuldig , aber in einem Sinne , der sie nicht über den fähigen Menschen erhebt , sondern unter ihm wogen lässt . 
Jena 17 . Aug . 78 . 
92 . 
Eins der deutlichsten Beispiele dafür , dass viele gesetze' nichts sind als nackte Bestimmungen der mässigkeit , ist die alteingewurzelte Vorstellung , eine schlechtliche aussereheliche Vereinigung sei eine ärgere Sünde für das Weib , als für den Mann . Warum ? ? es lässt sich kein Grund erdenken , als der , dass eben das Weib sich dem Gebären eines nicht regelrecht versorgten Kindes aussetzt1 . — Nach solchen Beispielen soll man aber nicht alle Sittengesetze be - urtheilen . Es g i e b t eine über die Zweckmässigkeit ragende Sittlichkeit . Diese bringt Positives hervor , die zweckmässige Sittlichkeit verhütet nur negativ2 . 
1 Wohl im Gegensatz zu Schopenhauer's Parerga IV S . 349 . 
2 Die letzten Sätze wenden sich unverkennbar gegen Bée und gegen Nietzsche's 'Menschliches Allzumenschliches' , das im Mai 1878 erschienen war . S . oben S . 97 ff .
	        
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