Full text: Erwin Rohde

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Beilagen und Nachträge . 
bei seinem energischen und feurigen Temperament , sich in losigkeiten . . . verräth . Im . Grunde ist er ein Mensch von haft gediegenem , lauteren , durchaus edlen Charakter , keiner lität , Intrigue oder Zweideutigkeit fähig . Er hat sich die höchsten Ziele in seiner Wissenschaft gesetzt , ohne sich die gewissenhafte Arbeit im Kleinen zu sparen . Ebenso habe ich ihn in grossen wie in kleinen Dingen des Lebens bewährt gefunden , den selben an Treue , Offenheit , . ja sogar , was man ihm am wenigsten zutrauen sollte , au zarter Rücksicht . . . . Er ist insofern allerdings pau - corum hominum , als er sich nur Wenigen ganz giebt , und dem gewöhnlichen faden Gesellschaftstreiben sein einsames Studierzimmer vorziehen mag . Er ist aber der imbefaiigensten Fröhlichkeit fähig und hat uns durch seine muntere Laune manchesmal hoch ergötzt . Keine Woche verging , in der wir nicht wenigstens einmal bis tief in die Nacht bei Gesprächen zusammengesessen hätten , welche so ziemlich alle Seiten allgemein menschlicher Interessen berührten . Seine umfangreiche Bildung und die ungewöhnlich früh entwickelte Kraft und Schärfe seines Urtheils , sein Verständnis für Kunst und Poesie , kurz alle seine intellectuellen Eigenschaften , so glänzend sie sind , hätten mich indessen auf die Dauer nicht gefesselt , wenn nicht der Adel seiner ethischen Natur und die Reinheit seines Gemüthes eine tiefe Zuneigung zu ihm in mir begründet hätte . . 
Zu S . 33 if . 
Zur Ergänzung der oben gegebenen Darstellung der Italiäni - schen Studienreise mag hier noch einiges für Rohde's mung Charakteristische aus Familienbriefen mitgetheilt werden , die mir erst nach dem Satz der betreffenden Bogen zugänglich wurden1 . 
1 . »Rom , den 22 . April 69 . . . . Bis man unter diesem Ueber - fluss des Bedeutenden zu einiger Sammlung kommt , wird eine liche Zeit hingehen müssen . Zum Wenigsten , wenn man nicht . . . die philiströse Fähigkeit hat , mit den herkömmlich lieferten Schlagwörtern sein ästhetisches Gewissen zur Ruhe zu bringen . So ist es eigentlich gerathener , in der Zeit der Aufnahme zu schweigen , um freilich nachher in grösserer Sammlung — erst recht zu schweigen ; denn das Beste , das einem Andächtigen die Götterbilder der Kunst sagen , ist sowenig in Worte zu fassen , wie der eigentliche Inhalt eines musikalischen Kunstwerkes . Die Kunst des Schweigens schätze ich hier immer mehr , hier , wo jeder Pinsel vor den ewigen Meisterwerken anfängt , in seiner elenden Philistersprache zu stottern über nichtige Nebendinge . Andacht ist es , was ich immer erflehe , vor den höchsten Werken der Natur , wie der Kunst , die Andacht aber beugt ihr Knie und schweigt . 
Wir fuhren also . . . von Innsbruck nach Verona , allmählich ins glückliche Südland hinein mit seinen dunkeln blauen Schatten 
1 Sie sind von der Adressatin , der Mutter , numerirt , mit dem tum des Empfangstages versehn und in ein sauberes Päckchen gebunden .
	        
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