Zu S . 33 f .
259
und dem goldnen klaren Licht , das selbst Trümmer und Lumpen mit einem Dichterglanz verklärt . . . Einen Tag blieben wir in Verona , sahen das Amphitheater , die schönen Kirchen , den ten Platz elei Signori , der von Palästen rings umschlossen und für Wagen unzugänglich , uns der stattlichste Rest einer adlichen Zeit dünkte ; dann aber ergötzten wir uns , hier zuerst und darum am intensivsten , an dem Geschrei und Getreibe des Stadtpöbels , seinem Drängen und Feilschen um lumpigste Kleinwaare ; das Ganze wie ein Maskenspiel in dem seltsamen Aufwand von Spectakel und mik um eigentlich gar nichts , nur wie eine andre Art von Müssig - gang . . . Denn in diesen kleinen Städten macht der Pöbel den Eindruck reducirter Phäaken , die desto geschäftiger aussehen , je weniger sie eigentlich , Geschäfte haben . In Florenz ist's freilich anders . Nach Fl . fuhr ich am nächsten Tage ; über Padua . . . und Bologna . . . dann durch schöne wilde Apenningegenden und lich hinunter in die reiche Ebene , über Pistoja nach Firenze . . . Was . . Florenz so unvergleichlich bedeutsam macht , sind die reichen Sammlungen älterer italiänischer Maler , Giotto's und seiner Schüler , und namentlich Fiesole's . Ich habe irgendwo mal gelesen , dass Overbeck über Fiesole hinaus keine Kunst mehr anerkannte . In der Entfernung , und Fiesole nur aus Stichen nend , staunte ich darüber sehr ; aber steht man vor diesen Bildern selbst , so kommt Einem allmählich das Verständnis , wie ein lisch - gläubiger Künstler hier allerdings das Höchste erreicht sehen konnte . An kindlicher Lieblichkeit sind in der That seine Gestalten unerreichbar , und wenn das so ganz unplastische Christenthum — wohl verstanden , das ursprüngliche — eine wirkliche schöne körperving des Evangeliums der Liebe , das den kindlichen Seelen allein gepredigt wird , verlangte , so konnte es über Fra Angelico hinaus gar keinen reineren Ausdruck gewinnen . Ein Kindergemüth hatte dieser Mann , der auf die Welt nur aus der stillen Höhe seines Klosters in Fiesole sah und in lieblichen , sanften Bildern lebte , wie sie ihm in stillem Sinnen auf dem goldenen Grunde des Abend - himmels erscheinen mochten . Denn wie glänzende Visionen ben diese zarten Gestalten . . auf der goldnen Glorie , die stets den Hintergrund bildet und allein schon einen Zusammenhang mit der frechen Welt abweist . . . . Was mich sonst in Florenz erbaut hat , davon vielleicht ein andres Mal ; seltsamer Weise hat mir von all den Meisterwerken kaum eines einen grösseren Eindruck gemacht , als die drei Pareen von M . Angelo . Dazu seine Gruppen von Nacht und Morgen und gar seine hiesigen Werke ; ich brenne auf den Zeitpunct , wo ich Musse haben werde , das Buch von Grimm zu lesen . . . . In Rom kamen wir am Sonntag Abend , in einem wahren Wolkenbruche , an . Seitdem ist gutes , schönstes Wetter . . . Von hiesigen Eindrücken sage ich noch nichts . Zunächst ist die Arbeit gross ; am Schlüsse erst winkt als süsse Belohnung die laubnis , in stiller Andacht vor den Götterbildern des Vatican sitzen zu dürfen . . . Das Ganze hier stimmt mich traurig ; dazu kommt , dass ich unter meinen hiesigen Bekannten tief einsam bin . Ach , wäre Nietzsche hier ! Dann wäre keine seligere Zeit auf Erden . . . «
17 *