Full text: Erwin Rohde

260 
Beilagen und , Nachträge . 
2 . »Rom , den 2 . Mai 18691 . . . Ich bin jetzt gerade 14 Tage hier : welche Zeit eben ausreicht , sich in den Hauptsachen zu orien - tiren . . . Goethe , glaub' ich , ist es , der ganz trefflich sagt , dass nirgends strengere Arbeit erfordert werde , als in Rom : mir stens macht diese Fülle des Aufzunehmenden zunächst eine Art von Angst , und wird so lange Beschämung machen , als man nicht durch strenges Studium zu einem sachlichen Verständnis gelangt ist . Nichts nämlich ist irrthümlicher , als die Voraussetzung , dass die Mehrzahl der hier verstreuten Trümmer ohne Weiteres einen ästhetisch quicklichen Eindruck machen werde . . . Ueberhaupt aber ist es sicher , dass zum vollen , die ganze Persönlichkeit ergreifenden Ge - nuss eines plastischen Kunstwerks unendlich viel mehr , hierauf speciell gerichteter , Bildung gehört , als zum innigsten Aufgehen im Anschauen andrer Schönheit . . . So dürste ich nach der Zeit , wo ich , durch strengere Vorbereitung geweiht , in die Mysterien nerischer Schönheit einzudringen würdig sein werde . Einstweilen sehne ich mich , zuweilen ganz körperlich , nach dem , für mich loseren Genuss erquickender Musik : aber seltsam zu sagen , hier im Laude der Töne , ist eine für ernsteren Sinn erquickliche Musik ganz unerreichbar . Man tritt in die Riesenhallen von St . Peter ; aus irgend einer entfernten Kapelle tönt leises Singen herüber ; nun geht man näher . . . : ach , welche Seligkeit , im Dämmerlicht dieser hohen Wölbungen auf den Wogen der Musik dem Land der Träume entgegenzuschaukeln ! Kommt man aber näher , so hört man . . . eine Musik ganz wie die , wozu man bei uns Savoyardenjungen mit ihrem Dudelsack tanzen sieht ! — . . . Was hier eigentlich die Schönheit der Landschaft macht , das ist das Licht , in tausend Abstufungen von strahlendem Gold bis zum dunkeln Blau . Kürzlich hatten wir auf der Villa Ludovisi einen Sonnenuntergang , der an Pracht . . alles bisher Gesehene übertraf . Voran der herrliche Garten ; aus dem jungen hellen Laube ragten die schwarzen riesigen Cypressen ; und dahinter das blühende Land , vom rothgoldnen Licht der den Strahlen umsponnen ; am Horizont die dunkelblauen berge mit blinkenden Städtchen , und darüber die krystallene pel des reinsten Himmels . . . Nun sinkt die Sonne , und im Osten verbreitet sich alsbald ein eigen trauriges blaugraues Licht , während der westliche Himmel noch . . . im trunknen rothen Golde schwimmt . Ich weiss nicht , warum das Anschauen solcher Schönheit mir die besten Momente des Daseins giebt . . . Damit für heute ade , liebste Mutter , lass mich bald hören , dass du mich lieb hast . Ich denke viel an euch . . . «2 
5 . »Rom , Dienstag d . 23 . Juni 69 . . . Mit Schluss der Woche wird die Vaticanische Bibliothek geschlossen : dann warte ich nur noch Peter und Paul , am 29 . , ab , um die Erleuchtung der 
1 R . wohnte »Via delle tre canelle , N . 158 , 2 " piano . . . zwischen Trajansplatz und piazza dei SS . Apostoli , gegenüber dem Palazzo Valeii - tineili« . 
- Br . 3 . 4 bringt sehr ausführliche Beschreibungen der Fahrten mit Wolfgang Hf . lbig , woraus sich kaum etwas Einzelnes herausheben lässt .
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.