Zu S . 33 f .
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kuppel mit zu erleben . . . und reise dann am 30 . ab , vielleicht direct nach Neapel , vielleicht erst eine Woche ins Sabinergebirge . Diese 'vielleicht' stellen grade die Annehmlichkeit der Sache dar , nämlich den Beginn der ungebundnen Bummelzeit . . . Hätte ich Nietzsche hier , so würde gerade diese Zeit reiner , nabelbeschauender ( wie fromme Inder pflegen ) Faulheit die wonnigste meines Lebens sein . . . Dass ich auf kurze Zeit vorher noch ins Sabinergebirge möchte , kommt daher , dass ich auf einer vor kurzem unternommenen Tour von vier Tagen über Frascati , Palestrina , Olevano , und von da auf wildesten Gebirgswegen . . . nach Tivoli — in Olevano nicht nur einen Paol Schulden , sondern auch mein Herz gelassen habe : keiner schönäugigen Dirne , sondern nur der über alle Dirnen schönen Gegend , der unbeschreiblich herrlichen Aussicht von dem hoch über dem . . Städtchen hängenden Wirthshaus . Ich fuhr mit der Eisenbahn nach Frascati , machte am selben Tage den Giro über Grotta Ferrata , die Ruinen von Tusculum — ausgedehnte Trümmer . . . hoch über dem kümmerlichen Treiben der heutigen Menschlein : auch ein Ort zur Versenkung in das Geheimnis menschlicher Kraft und zerstäubender Vergänglichkeit — , die herrlichen Villen , zu Pferde ; handelte dann am Abend mit unterschiedlichen gern , von denen einer immer banditenmässiger als der andre aussah , auch drohten sich die Concurrenten mit Ammazzirung ; endlich stand ich einen Esel und Führer für 5 Tage . . . Am andern Tage dann durch heisse Ebene nach Palestrina . . . und weiter durch fruchtbares Land in allmählicher Steigerung nach Olevano . liche Lage , Malerkneipe , auch ein Hamburger , Namens Lutteroth . Das Schönste war am andern Tage die Tour durch's Gebirge nach Cerano ; dann nach Tivoli . . . und so zurück . Amlisirt hat mich die ganze Zeit mein Führer , ein halb verrücktes Subject , der von allen Sprachen drei Worte aufgeschnappt hatte , nämlich folgende : „ schäne , gutte Aeseln ; very good donkey , indeed , yes ! go on , key ; marche allons " , dann : „ andiamound zum Schluss : , . ja wohl " ; und dann hieb er wie toll auf das arme Vieh . Wenn er etwas trunken hatte — und da ich ihn verköstigen musste , trank er lich viel — , so verfiel er in ein Lauffieber , setzte den Esel in lopp , und schwatzte stundenlang vor sich hin , zufrieden wenn icli ihm zuweilen'auf seine Frage : n'è vero ? mit già , già antwortete . Z . B . : er hatte einen General ( vermuthlich war's ein Lieutenant , denn er sollte zugleich giovane sein ) aus Berlin geführt ; nun führte er folgende Scene zu seinem eignen Benefiz auf : gehen Sie nur nach Berlino , e dite al generale vostro : sta vivo Antonio ! „ eh , sta vivo ? " già , già , sta vivo . ' „ ma come stai " sta bene ; conosce tutto il mondo , tout le monde , ma non si ricorda delle strade — er wusste nämlich solut nichts vom Weg , ausser wo es Landstrasse war — , der neral : „ mache , non ricorda le strade ? 11 Ah , che volete , sta vecchio , ha quaranta sei o quaranta sette anni , non lo sa precisamente tonio , sa il prete , sta scritto nella fede , und so immer weiter . . . Dies Original nannte sich Antonio Taddei , prima guida eli Frascati , wie er allen Leuten , denen wir begegneten , erzählte .
Hier in Rom habe ich in alter Weise ohne viel Abwechselung