Full text: Erwin Rohde

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Beilagen und Nachträge . 
fortgelebt , aber man braucht hier fast nichts zu thun , als zu exi - stiren , um die mannigfaltigsten Eindrücke zu gewinnen : wenn nur die hier versammelte Philologenschaar ein klein wenig ultra philo - logum saperet . . . Von Nietzsche habe ich aus Basel zwei Briefe bekommen , die mich , in Ermangelung persönlichen Verkehrs , sehr erfreut haben . . . « 
6 . »Neapel , Sonnabend 16 . Juli 69 . . . Hier geniesse ich das Museum , hole von der Bibliothek , was da allenfalls zu holen ist — 's ist nicht viel — - , und den übrigen Tag dufte ich einfach gen mel in ganz neapolitanischem Nichtsthun . Die Stadt bietet als solche wenig , das ganz unglaublich geschäftige Treiben der Menschenmenge , die sich in ihr drängt , ergötzt oft durch bunte originelle Bilder , ermüdet aber noch mehr durch den fortwährenden Spektakel und bildet zu dem nobeln stillen Rom einen auf die Länge widerlichen Gegensatz . Dafür hat man dann vollsten Ersatz durch das los schöne Bild der weiten Bucht , von deren Herrlichkeit nichts Neues zu sagen nöthig ist . . . Haupterquickung in der ganz menden Hitze bildet , ausser dem durchaus nothwendigen Eis , das köstliche Seebad . Neulich schwammen wir einmal Nachts , bei denschein und Meerleuchten , in die See hinaus , immer silberhell erglänzende Wellen vor uns her treibend . Natürlich macht man vielfache Touren in die Umgegend . . , neulich . . zu Esel nach dem Kloster Camaldoli , durch herrlich kühle Waldthäler , zwischen Eichen und zahmen Kastanien . Die brutalen Italiäner haben die Mönche bis auf drei verjagt ; eine wahrhaftige Sünde an diesem lich schönen Punct , wo man von freier Höhe die Buchten von pel und Bajae , die grosse Stadt und die weiten üppigen Gefilde überblickt , und nach Norden die hinter einander geschobenen reihen von Ischia , in blauem Duft geschlossen . Nur ganz vereinzelt dringt ein Menschen - oder Thierlaut hierher ; und wenn man so in stillem Entzücken dasitzt , empfindet man wahrlich aufs Innigste , dass Alles , was jene tosende und unruhig arbeitende Welt dort tief unten bieten könnte , den seligen Frieden stiller Betrachtung nicht aufzuwiegen im Stande ist . — Letzten Mittwoch und Donnerstag waren wir — Roscher und ich — in Sorreut und von da zu Schiff nach Capri . . . Auf Capri Hessen wir entsetzlich viel Geld , was uns aber nicht im Genuss des Auf - und Abkletterns an jenem genfelsen' . . . störte . Auch sind wir in die blaue Grotte nicht hineingefahren , wie andre Sterbliche , sondern hineingeschwommen und in der leuchtenden , hellblauen Eluth herumgeschwommen , was ganz herrlich war . . . « 
7 . »Sorrent den 20 . Augast 69 . . . Seit meinem letzten Briefe habe ich die mannigfaltigsten Fahrten durchgemacht . Zunächst ging ich nach Pompeji , und bin dort , in Gesellschaft eines sehr genehmen Kameraden , Dilthey , 4—5 Tage geblieben , in idyllischer Einsamkeit in der kleinen Kneipe 'zur Sonne' eingemiethet . . . Das waren höchst traulich - behagliche Tage , zudem durch den blick in das kleinste und intimste Dasein dieser versunkenen Kultur auf das Aeusserste belehrend . Auch an den . . doch noch ganz beträchtlichen Fragmenten von Bildern habe ich ein lebhafteres
	        
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