Object: Erwin Rohde

12 
Philologischer Verein und Ritschl's Societas . 
wo von einer Wirkung Nietzsche's auf breitere Massen nicht die Rede sein konnte — war ein Nachzittern der Bewegung , die von ihm ausgegangen war , in diesen Kreisen deutlich zu spüren . Die eminent psychagogische Begabung Nietzsche's währte sich auch hier , in den engsten Verhältnissen . Rohde hielt zwar eine Reihe anziehender Vorträge ( auffallender Weise meist über Probleme der römischen Litteratur , wie Catulls Todesjahr , Apulejus , Ovids Heroiden ) , liebte es aber im Ueb - rigen , sich mit seiner Persönlichkeit „ aristokratisch halten " . „ Nur einmal versetzte er uns in ein Gemisch von Schrecken und Bewunderung , als er in der Ritschl'schen sellschaft , wie Meister Ritsehl eine von ihm in einer lichen Arbeit geäusserte Behauptung zurückwies , diesen mit rücksichtsloser Energie , als wäre Ritsehl ein gewöhnlicher Student , bekämpfte " [ W . H . Roscher ] . Die mündliche Ueber - lieferung in Leipzig gab dieser Scene noch einen viel scheren symbolischen Abschluss . Sie ist gleich bezeichnend für den von aller Menschenfurcht freien Schüler , wie für den zu einem Waffengange unter gleichen Bedingungen stets reiten greisen Lehrer . Rohde hatte später wohl die dung , bei solchen Gelegenheiten in der Form zu weit gegangen zu sein ; er klagt , dass er gerade Kitsehl gegenüber »aus nen Verstössen ein Capital von ansehnlichem Umfang häuft zu haben« sich bewusst sei und »eine einmal verlorene Unbefangenheit nicht zurückzufinden vermöge« [ R . ] . Bei Ritsehl , der selbst — zumal bei den üblichen Fuchstaufen — derb nug zuzugreifen ptìegte , konnte aber von einer wirklichen »Verstimmung« , wie sie Rohde argwöhnte , keine Rede sein1 . 
In der That war Fb . Ritschl für so eigenwüchsige Geister , wie das Freundespaar , der rechte Leiter , während er schwächere Naturen wohl einmal — nicht immer zu ihrem dauernden Glücke — aus der Richtung , auf die sie ihre innerste Be - 
1 Sympathisch ist Rohde als Persönlichkeit dem Lehrer freilich nicht gewesen . Vgl . den schönen Brief Ribbeck's an Ritsehl 16 V 75 , Nr . 173 , 
S . 275 . — Intime Einblicke gewähren vor Allem die Briefe an Nietzsche ; dafür , dass Ritsehl die Erstlingsschrift über Lucians Lukios nicht ohne Weiteres in's Rheinische Museum aufnahm , wittert Rohde durchaus sönliche Motive . Nietzsche ist hier durchweg der Vermittler und gleicher . Vgl . unten S . '29 .
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.