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Philologischer Verein und Ritschl's Societas .
wo von einer Wirkung Nietzsche's auf breitere Massen nicht die Rede sein konnte — war ein Nachzittern der Bewegung , die von ihm ausgegangen war , in diesen Kreisen deutlich zu spüren . Die eminent psychagogische Begabung Nietzsche's währte sich auch hier , in den engsten Verhältnissen . Rohde hielt zwar eine Reihe anziehender Vorträge ( auffallender Weise meist über Probleme der römischen Litteratur , wie Catulls Todesjahr , Apulejus , Ovids Heroiden ) , liebte es aber im Ueb - rigen , sich mit seiner Persönlichkeit „ aristokratisch halten " . „ Nur einmal versetzte er uns in ein Gemisch von Schrecken und Bewunderung , als er in der Ritschl'schen sellschaft , wie Meister Ritsehl eine von ihm in einer lichen Arbeit geäusserte Behauptung zurückwies , diesen mit rücksichtsloser Energie , als wäre Ritsehl ein gewöhnlicher Student , bekämpfte " [ W . H . Roscher ] . Die mündliche Ueber - lieferung in Leipzig gab dieser Scene noch einen viel scheren symbolischen Abschluss . Sie ist gleich bezeichnend für den von aller Menschenfurcht freien Schüler , wie für den zu einem Waffengange unter gleichen Bedingungen stets reiten greisen Lehrer . Rohde hatte später wohl die dung , bei solchen Gelegenheiten in der Form zu weit gegangen zu sein ; er klagt , dass er gerade Kitsehl gegenüber »aus nen Verstössen ein Capital von ansehnlichem Umfang häuft zu haben« sich bewusst sei und »eine einmal verlorene Unbefangenheit nicht zurückzufinden vermöge« [ R . ] . Bei Ritsehl , der selbst — zumal bei den üblichen Fuchstaufen — derb nug zuzugreifen ptìegte , konnte aber von einer wirklichen »Verstimmung« , wie sie Rohde argwöhnte , keine Rede sein1 .
In der That war Fb . Ritschl für so eigenwüchsige Geister , wie das Freundespaar , der rechte Leiter , während er schwächere Naturen wohl einmal — nicht immer zu ihrem dauernden Glücke — aus der Richtung , auf die sie ihre innerste Be -
1 Sympathisch ist Rohde als Persönlichkeit dem Lehrer freilich nicht gewesen . Vgl . den schönen Brief Ribbeck's an Ritsehl 16 V 75 , Nr . 173 ,
S . 275 . — Intime Einblicke gewähren vor Allem die Briefe an Nietzsche ; dafür , dass Ritsehl die Erstlingsschrift über Lucians Lukios nicht ohne Weiteres in's Rheinische Museum aufnahm , wittert Rohde durchaus sönliche Motive . Nietzsche ist hier durchweg der Vermittler und gleicher . Vgl . unten S . '29 .