Full text: Erwin Rohde

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Beilagen und Nachträge . 
liehe Licht der italiänischen Sonne : alle Schatten sind nicht kalt und grau , sondern blau und warm in den verschiedensten fungen von hell und dunkel . Am herrlichsten aber ist der grund : die stolzen Linien des hohen Sabinergebirgs , dessen höchste Gipfel , jetzt mit Schnee bedeckt , in der Sonne röthlich glänzen : und nach Süden die sanfter gezognen Formen der Albanerberge In andrer Weise erquickt die Seele ein Gang im klaren Mondlicht durch die schweigenden Strassen , allein am besten , da nirgends mehr als in Rom Goethe's Wort wahr wird : „ Mit Andern mag man sich belehren , Begeistert wird man nur allein . " Der sei zufrieden , der im täglichen behaglichen Verkehr sein volles Genüge findet : seit ich empfunden habe , welche Kraft und Freudigkeit ein samer Flug in reineren Luftkreis . . dem ganzen Wesen giebt , höre ich nicht auf , mich nach dem entfernten Freunde zu sehnen . „ Wie köstlich ist des gegenwärt'gen Freunds gewisse Rede , deren melskraft der Einsame entbehrt und still versinkt " sagt abermals der alte Goethe . . . Augenblicklich , könnt' ihr denken , macht sich Concilium oecumenicum breit genug : wohin man sieht und wohin man spuckt , stösst man auf einen Pfaffen , roth , violett , grau , grün , blau , schwarz uniformirt : eine grosse Armee von Schlauköpfen , ein noch grösserer Tross von Schaafsköpfen und vielleicht eine kleine Elite von ernsthaft Gläubigen . Erzählen kann ich nicht viel von , denn die Priesteraufzüge haben stets etwas Eintöniges , und bei der Eröffnung war der riesige Peter so voll gedrängt , dass ich nur langgestreckte Fremdenhälse sah , und ausserdem dichtgeschlossne Haufen von Campagnolen mehr roch , als sah . . . Das Eigentliche geht übrigens auch in einem separaten Schapp vor sich , der aus einer Seitenkapelle des Peter gemacht ist . Schön werden wohl die Weihnachtsfeierlichkeiten werden . . . Meinen Weihnachtsabend werde ich im deutschen Künstlerverein verbringen , dessen temporäres glied ich . . geworden bin . . . « 
13 . »Rom , 4 . Januar 1870 . . . Am 2 . wurde dann , im festen Vertrauen auf anhaltende Tramontana und sonnenklare Aussicht , in heiliger Friili ein Ausflug nach Albano unternommen . Als es aber hell wurde , zeigte es sich , dass es eigentlich gar nicht hell den war . . . Trotz des Mangels an Licht , wodurch diese sonst so ernsthaft dreinschauenden Landschaften erst ihre ganze Schönheit entfalten , war es eine sehr schöne Partie : wie strahlende Helle zur Expansion , so stimmt dies einschränkende , fast dämmerige Licht , in das sich , in dieser Jahreszeit , zuweilen der italiänische Himmel hüllt , zu einer verwunderlichen Art von nachdenkender Ruhe . . . Eure Weihnachtsbriefe bekam ich am 25 . ; sie machten mir doch eine Art Fest : denn im Künstlerverein war es sehr lourd . Dagegen haben wir Altjahrsabend unter uns ganz fidel und vergnügt bracht , mit Hülfe eines Gastmahls und daran geschlossnen siums : ein musenbegabtes Mitglied hatte zu allerlei ulkigen schenken niedliche Verse gemacht : ich bekam als Theatermann ein kleines Polichinelltheater . . . « 
16 . »Florenz , 14 . März 70 . . . Florenz hat . . . den alten Zauber geübt , und gar manches Bildwerk hat mir jetzt erst seine
	        
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