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Beilagen und Nachträge .
verehren dürfen ! — In einem duftend blühenden Akaziengarten holten wir uns , bei ländlicher Naturalverpflegung , von den gungen des Sehens , und im goldnen Nachmittagslicht fuhren wir dann weiter nach Brescia . . . «
22 . »Basel , den 9 . Juni 70 . Liebste Mutting , da wäre ich lich in Basel , d . h . schon seit Sonntag vor acht Tagen : eigentlich wollte ich nur höchstens 8 Tage hier bleiben , aber mein Freund hat es schliesslich doch durchgesetzt , mich noch länger hier zu halten . So waren wir dann in den Pfingsttagen . . . , in Begleitung von Nietzsche's Mutter und Schwester , im Berner Oberland , Interlaken , alp , Lauterbrunn . . . Hier leben wir uns in die glücklichste gangenheit zurück , ein Stück Fortsetzung jener seligen Tage in Leipzig , wo wir , von aller Welt isolirt , im steten Umgang seitige Förderung und Stärkung uns gaben . Leider ist Nietzsche in diesem Semester so übermässig beschäftigt , dass uns nur wenige Stunden des Tages übrig bleiben , wo wir dann in mancherlei sprächen [ . . . ] und namentlich indem N . Wagnersche Musik , soweit dies auf dem Ciavier möglich ist , darzustellen sucht . Gestern Abend waren wir mit dem geistvollen Jacob Burckhardt zusammen in Muttens , einem Dorf in der Nähe von Basel , wo ich mir für heute einen kleinen Kater gezähmt habe . Daher dieser verwirrte Brief1 . Sonnabend und Sonntag denken wir nach Triebschen bei Luzern zu R . Wagner , auf einen Besuch , zu gehn , d . h . wenn wir passend kommen . Am Montag spätestens denke ich dann abzureisen : in Freiburg also halte ich mich , auf Deinen Wunsch , einige kurze Zeit auf : dann aber recta domum . . . «
Dass der gemeinsame Besuch der Freunde bei R . Wagner , von dem in Br . 22 die Rede ist , wirklich ausgeführt wurde , hat mir Frau Dr . E . Föksteb - Nietzschk auf meine Anfrage ausdrücklich bestätigt . Das ist der Beginn der persönlichen Beziehungen R . 's zu Wagner .
Zu S . 35 f .
Zu den persönlichen Bekannten , mit denen Rohde damals in Florenz verkehrte , gehören noch Gustav Parthey und Th . Heyse , der 1870 in Florenz ansässige Oheim des Dichters . Das ergiebt sich u . A . aus Briefen [ 5 . 14 IV 70 ] an Wolfgang Helbig ( im Archiv des archäologischen Instituts ) , die P . Hartwig für mich zu excerpiren die Güte hatte .
Zu S . 36 . 40 f .
Aus meiner Darstellung wird hervorgehn , dass sich Rohde auf seiner Italiänischen Reise immerhin sehr ernsthaft um das Verständnis der tiken wie der Renaissance - Kunst bemüht hat ; in den Briefen steckt noch manche feine , erlebte Beobachtung . W . H . Roscher ( Neue Jahrbücher für das kl . Alterthum usw . IV 1901 S . 718 ) meint , R . habe die Archäologie und deren Resultate in seinen Arbeiten nicht hinreichend berücksichtigt ; schon auf der Universität habe er sich „ zu wenig mit dieser Wissenschaft beschäftigt " ( das hatte seine
1 Wirklich hat Rohde ( was ihm sonst nie passirt ist ) kurz vorher einen Satz ohne Prädikat gelassen .