Full text: Erwin Rohde

Zu S . 35 ff . 40 f . 
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guten Gründe ) 1 und sei „ auch auf seiner italienischen Reise im Jahre 1869 nicht recht vertraut mit ihr geworden " . Obgleich scher Rohde's Reisegeselle war , bezweifle ich doch , dass er Rohde hier wirklich gerecht wird . Rohde hat in Bonn gleich im ersten Semester Jahn's Hauptkolleg über Archäologie gehört ; in Italien begann er ( allerdings unter strenger Wahrung der umfassenden logischen Aufgaben , die er sich nun einmal gestellt hatte ) , sich mit der ganzen Energie , die ihm eigen war , in die ihm zunächst innerlich noch fremde Welt der antiken Plastik zu vertiefen . Und wie glücklich wird gleich in dem Buch über den Roman die hellenistische Kunst , nach dem Vorgange Helbigs , für die Reconstruction der schen Poesie verwerthet ! Es gab nicht allzu viel Philologen , die , über eine bloss archäologische Geschäftigkeit hinaus , zu einer so feinsinnigen ästhetisch - kulturgeschichtlichen Behandlung solcher gen fähig waren . Allerdings , Rohde war sich bewusst , dass ihn seine eigentliche Begabung nicht auf das Gebiet der bildenden Kunst führe , dass er doch »kein rechter homo plásticas« sei , und er machte an sich zu hohe Ansprüche , um auf diese »durchaus dilettantische Velleität« viel Gewicht zu legen . Als er die Frage , ob er noch einen längern Aufenthalt in Italien rein archäologischen Zwecken widmen solle , mit seiner Mutter verhandelte , meinte er [ M . 25 I 70 ] : »So wenig eitel bin ich nicht , dass ich nicht auch jetzt noch mir die Fähigkeit zutraute , den Herrn Specialarchäologen , die ich hier ihr seltsam spielendes Divertissement treiben sehe , es gleich zu tliun : aber zu einem ordentlichen Archäologus — was denn freilich ein hoher Beruf ist — fehlt mir vollständig das Talent und die Kraft und damit denn auch alle Lust . « Es bestätigt sich eben hier doch wieder , dass zu aller intensiveren Beschäftigung mit den nächst an die Sinne sprechenden Künsten und Monumenten eine besondre , wesentlich sinnliche Begabung gehört ; die sich wohl bilden , aber nicht anlernen lässt . Rohde hat freilich — das werden schon die eben mitgetheilten Bekenntnisse darthun — auch auf sem Gebiet mindestens die gleiche Empfänglichkeit besessen , als mancher philologisch gefärbte Archäologe ; aber er mass sie an nem Sinn für Poesie und Musik , und wurde sich damit ihrer zulänglichkeit bewusst . — In der Psyche ist allerdings das gische Material nur sehr mit Auswahl herangezogen , und der Eine wird Dies , der andre Jenes vermissen ( z . B . eine wirkliche Ver - werthung und Interpretation der künstlerischen Darstellungen des Todes und Sterbens ) . Dass dadurch aber die Entwicklung der Hauptgedanken in Rohde's Buch sonderlich beeinträchtigt sei , kann ich nicht finden . Als R . die zweite Bearbeitung zuriistete , hatte er nicht allzuviel nachzutragen , was ihm seine archäologischen genossen dargeboten hätten . Inzwischen haben die Arbeiten W . Helbigs und mancherlei Grabungen reicheres Material gebracht , 
1 In Bonn raubte ihm der Streit zwischen Jahn und Ritschl die rechte Stimmung ; in Leipzig hat Ovekbeck ( der ja sehr instructive légien für Anfänger las ) dem fortgeschrittnen , scharf kritischen Arbeiter wenig eingeleuchtet ; in Kiel lehrte — P . W . Fokchhammek ! Ausserdem war É . der Meinung , dass man erst sehen müsse , dann lesen und hören .
	        
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