Full text: Erwin Rohde

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Beilagen und Nachträge . 
Sie i s t auch wirklich etwas besondres . Als Ueberlieferung des stoffes , als Aneignung der dagewesenen Meinungen früherer schlechter , ist das Philosophiedociren etwas Oedes und gendes . Niemand sollte sich als Philosoph aufthun — - und nun gar als philosophischer Docenti — , der nicht le feu sacré in sich hat , d . h . den Trieb , etwas ganz Eignes , nach seiner Meinung ( die immer noch irrig sein darf ) die Welt der Erkenntnis neu und heller leuchtendes loszuwerden , als Missionar einer ihn ganz den Sache zu dienen . Ohne Zweifel wollen auch Sie die Philosophie nicht als reine Gelehrsamkeit treiben , sondern als Gestaltung eines nach eignen Maassen bestimmten xpóreoj xoO ßiou . Hiervon nun , meine ich , muss es abhängen , ob Sie sich als Docent der phie niederlassen : ob Sie einen , eben unwiderstehlichen Drang des Lehren s und persönlich Ueberlieferns eines solchen Eignen in sich spüren . Das Häckselschneiden für die Collegkrippe ist in der Philosophie viel schlimmer , als in unsern Disciplinen , die von herein auf sowas angelegt sind . Es ist richtig aufgefasst , ein nis höheren Lehrerthums , das sich der giebt , der sich als soph habilitirt . Sind Sie subjectiv überzeugt , hierzu berufen zu sein , so wäre es thöricht und nutzlos , Ihnen von der Habilitation abzurathen . Es bleibt nichts üb rig , als dassSie selbst sich aufhin ernstlich prüfen . Bedenken Sie aber auch , dass die vielen Semester ausgefüllt sein wollen , also , ob Sie schon jetzt —• 30 Jahre ist erst ein Kindesalter für einen Philosophen — die nöthige Breite des Eigenbesitzes haben . . . Man kann ja das Docenten - thum auch auffassen als eine Zeit des eignen Lernens , in der man sich erst stückweise fertig macht zum dereinstigen Können . Ich stelle mir aber vor , dass die Qual — und eine veritable Qual ist es — des Vortragens nicht bis zu Ende gelernter Dinge in den drängenden Collegstunden , im Gebiet der Philosophie ( wo weise vorzurücken noch bedenklicher ist als anderswo ) nur noch viel ärger sein muss als in unsern Disciplinen z . B . . . . Im zen , werden Sie merken , kommt mir Ihre Absicht etwas bedenklich vor . Einen Philosophen denke ich mir als einen in langer rung reif und süss gewordenen , gewiss nicht mehr jungen Menschen ; Sie sind aber erst 31 Jahre , d . h . noch ganz jung an Erfahrung und Leben von innen und aussen . — Andrerseits können Sie sagen : irgendwo muss ich doch die nöthige Reife heranwarten , und warum nicht eben als Docent und indem ich meine philosophischen genhäute docendo , auf dem Katheder , loswerde ? Es giebt auch eine Philosophie der Jugend ( jedes Lebensalter hat seine ) , und die passt besser vor eine Schaar junger Menschen , als die des Alters . — Es kommt immer darauf an , wie stark der Drang , Eigenes zu breiten , Sie treibt , so dass Sie vor der Gefahr , sor' im vulgären Sinn zu werden , bewahrt sind : ist der Trieb gross , so sind Sie im Recht und dann nur muthig drauf los ! — Ihre andre Chance , Lehrer an einem niedern Seminar zu werden , hat eigentlich etwas besonders Lockendes . Den Trieb , auf sonen zu wirken , den ich für stark bei Ihnen halte , können Sie d a viel besser und tiefer wirken lassen , als auf der Universität ( bei
	        
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