Verhältnis zu Ritschi .
13
gabung führte , hinausdrängen mochte . Unter dem frischen Eindruck der eben hinter ihm liegenden Lehrjahre gestand Rohde , er sei »ernsthaft überzeugt , die ganze Grundlage seiner philologischen Existenz Ritsehl zu verdanken« [ R . 5 XII 69J . Doch hat er , wie manche gelegentliche Aeusserung zeigt , an dieser Schulung Eins vermisst : eine wirkliche ürientie - rung und Führung in dem Gesammtgebiet der antiken teratur und Kultur , die er in den gar zu skizzenhaften légien von G . Curtius ( über griechische Literatur und Ency - klopädie der Philologie ) vergebens suchte1 . Aber für ihn , dem eigne Gabe und Neigung nach dieser Richtung von herein die rechten Wege gewiesen hatte , erwuchs daraus kein fühlbarer Schaden . So hat sich seine Stimmung dem alten Lehrer gegenüber , trotz gelegentlicher Miss Verständnisse 2 , mit den Jahren nur geklärt und gehoben 3 . Oeffentliclies Zeugnis für diese Gesinnung legte er ab vor Allem in der Anzeige von Ribbeck's schöner Ritschl - Biographie ( Augsburger Allg . Zeitung , Reilage 1879 , 1882 , = Kl . Sehr . II S . 454 fi . ) . Die Charakteristik des »einzigen Mannes« , die er dort giebt , will nicht erschöpfend sein ; sie ist ganz persönlich gefärbt ; sie zeigt , was Rohde vornehmlich bei Ritsehl gesucht und als Wohlthat empfunden hat : »die köstliche Gabe des gesunden Menschenverstandes und die Freiheit von schwärmerischer Dunkelheit und allen Stimmungen , die ihn seinen schen Aufgaben hätten entziehen können« .
1 Erst nach Rohde's Zeit hat Ritsehl in Leipzig wieder sein liches Encyklopädie - Colleg gelesen , das jedem Hörer unvergesslich sein wird . Im Uebrigen sei auf Rohde's Kl . Sehr . II S . 461 hingewiesen .
2 Eine kritische Zeit für das Verhältnis zwischen Ritsclil und Rohde war das Jahr , wo Nietzsche's 'Geburt der Tragödie' erschien . Ritschis Zurückhaltung enttäuschte Rohde . Vgl . unten S . 56l .
8 Vgl . unten S . 29 ff . »Zu ihrer Ritschibiographie wünsch ich Ihnen Glück« heisst es in einem Brief aus der Jenaer Zeit an Ribbeck [ 8 IV 78 ] ; 'mit einer so vollen , feurigen Natur sich intimst bekannt zu machen , ist sicher sehr erquickend ; wie gar nichts hatte sein , wegen seines thums so naives Naturell von der . . . gezierten Studiertheit solcher Leute , wie Lachmann , Haupt und ähnlicher Götter« . Rohde's Tübinger Schüler wussten davon zu erzählen , wie gern er die Gelegenheit benutzte , um seine Ueberzeugungen über den grossen Forscher und optimus magi - ster auszusprechen in Ausdrücken , so warm und bedingungslos dernd , wie man sie selten aus seinem Munde hörte .