Full text: Erwin Rohde

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Beilagen und Nachträge . 
in deren schreckliche Ungeschicklichkeit und Hilflosigkeit man sich selbst nur ungern niederziehen lässt . Sie scheinen freilich eine ganz andre Vorstellung von dem Werk zu haben . . . Unrecht , scheint mir , thun Sie aber der Analyse der Composition durch Bruns : in einzelnen Punkten mögen Sie ihm mit Recht Flüchtigkeit und kür vorwerfen , aber im Gran zen , bin ich fest überzeugt , hat B . das Richtige getroffen und Sie stehen sich selbst im Licht , wenn Sie eine fictive und nur durch willkürliches Apologetisiren stellende Einheitlichkeit in dem Aufbau und der Ausführung des Ganzen sich selbst aufreden wollen — denn bei Andern wird es Ihnen kaum gelingen . Hier sind Sie in der That oft mit allzu quemen Gegengründen zufrieden . Z . B . — ein ganz äusserliches , aber sicher controlirbares Beispiel — II 674 A / B . Sie begnügen sich , um den deutlichen Widerspruch mit I 637 D zu verkleistern , mit Bergk's Conjectur KaX - ^Soviiov : dass aber dies ganz lich , sachlich unbegründet und durch das Citat der Stelle II 674 A mit KapxT ) 5oviiov bei Theophrast ausgeschlossen ist , ken Sie nicht : ich hatte es , an einer Stelle , die Sie offenbar nicht kennen , längst bemerkt . . . 1 . Der Widerspruch zwischen I und II bleibt bestehen ; und so geht es noch oft , wo Sie schönste nie anzutreffen sich überredet haben . — Sie sollten doch einmal Ihre von Teichmüller übernommene Ansicht über den wahren Sinn der Ideenlehre ausführen ; bisher glaube ich absolut nichts von ; die gewöhnliche Deutung dieser Lehre , welche die des stoteles ( der doch darin nicht irren konnte ! ) ist , ist ja lich durch P . 's eigne Worte angezeigt . « 
In zwölfter Stunde erhalte ich von Th . Gomperz noch einen schönen Brief Rohde's [ 28X187 ] , der nach einer Auseinandersetzung über ein Heraklitfragment folgende Aeusserungen über Piaton hält : »Es freut mich sehr , dass Sie sich der relativ späten stehungszeit des Phaedon annehmen . Ich habe es nie anders für richtig gehalten . Ausser allen andern Gründen spricht dafür ja laut und deutlich der vielfache Ausblick auf Bestreitungen der Platonischen Fundamentallehre , jene wundervolle Ausführung YsvmjisS - a iiiooXofoi etc . , das ( für mich allemal rührende ) resignirte toüto 5s ài£xv<oç xai àitXœç xod eúr / ího ; é^ia rcap' : n<ì> etc . ( ich finde die Stelle augenblicklich nicht ) 2 von der Ideenlehre gesagt . So beginnt man nicht , eine berauschende Vision darzulegen ! sondern so spricht der müde , des eignen halben Zweifels müde , am Gelingen des vielfach versuchten Beweises des Glaubenssatzes verzweifelnde Denker . Derartige Argumente beachtet man freilich meist gar nicht . Zeller z . B . niemals , sonst könnte er unmöglich so hafte Schriften , wie Sophistes und Politicus in frühe Zeit setzen u . dgl . m . — Ihre Bemerkungen über die sprachlichen Kriterien werden auch zur Scheidung . . . beitragen . Ein böser Stein bleibt immer der Phädrus ; mein eignes Unbehagen darüber , dass Dittenbergers 
1 Vgl . Kl . Sehr . I 311 f . 
2 In der That hat Rohde aus dem Gedächtnisse , nicht ganz genau , citirt : cf . p . 100 D .
	        
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