Full text: Erwin Rohde

14 
Freundschaft mit Fr . Nietzsche . 
Unter solchen Anwandlungen hatten in der That die beiden jugendlichen Stürmer und Dränger schwerer zu leiden , als manche massig begabten Leute — auch Rohde , in seiner »zu dunklen Phantasieen nur zu geneigten Natur« [ R . ] . 
ßohde hatte sich ohne Säumen in selbständige fachmässige Arbeit geworfen , wie Ritsehl sie verlangte . Aber er verschloss seinen Sinn nicht gegen das bunte Leben , das ihn umgab und mit einer fast beängstigenden Fülle neuer Eindrücke und Anschauungen auf ihn eindrang . 
Sein Genosse und Führer in diesem Wirrsal war der just ein Jahr ältere Fr . Nietzsche . Für beide Männer deuten diese Leipziger Semester den Frühling des lebens , wo der Samen ausgeworfen wird für alle Zukunft ; Bolide insbesondere war sich bewusst , damals die Richtung empfangen zu haben , in der er »wohl bis ans Ende weiter rollen werde« [ N . 29 VI 70 ] . 
Ein Bild dieser »unvergleichlichen Tage« blickt uns wie aus einem Heckenlosen Spiegel aus den Briefen und nungen des »Bruderpaares« entgegen1 . Da führen die beiden Genossen zusammen »platonische Gespräche über alle Dinge , die einen anständigen Menschen interessiren« ; sie besuchen gemeinsam Theater , Motetten und Concerte ; sie wandern nach den Seminarübungen an langen Sommerabenden selb - ander durch's »gelobte Rosenthal« oder zum Neuen haus , traben auf Leipziger Miethsgäulen durch die 'Linie' und wohnen schliesslich eine Zeit lang im gleichen Hause . „ Viel gearbeitet in jenem banausischen Sinne haben wir nicht und trotzdem rechneten wir uns die einzelnen verlebten Tage zum Gewinn . Ich habe es bis jetzt nur dies einemal erlebt , dass eine sich bildende Freundschaft einen ethisch - philosophischen Hintergrund hatte . . . . Es gab eine ungewöhnliche Menge von Dingen , über die wir nicht zusammen klangen . Sobald aber das Gespräch sich in die Tiefe wandte , verstummte die 
1 Nietzsches Briefe und Aufzeichnungen sind schon veröffentlicht oder gehn einer Publication entgegen ; ausser den Briefen lag mir von Rohde's Hand ein Stoss loser Blätter vor , Cogitata betitelt , die frühesten datirt aus dem September 1867 , die letzten aus dem August 1878 : ein Niederschlag des Besten , was Rohde damals gedacht und gefühlt hat , s . den Anhang .
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.