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Freundschaft mit Fr . Nietzsche .
Unter solchen Anwandlungen hatten in der That die beiden jugendlichen Stürmer und Dränger schwerer zu leiden , als manche massig begabten Leute — auch Rohde , in seiner »zu dunklen Phantasieen nur zu geneigten Natur« [ R . ] .
ßohde hatte sich ohne Säumen in selbständige fachmässige Arbeit geworfen , wie Ritsehl sie verlangte . Aber er verschloss seinen Sinn nicht gegen das bunte Leben , das ihn umgab und mit einer fast beängstigenden Fülle neuer Eindrücke und Anschauungen auf ihn eindrang .
Sein Genosse und Führer in diesem Wirrsal war der just ein Jahr ältere Fr . Nietzsche . Für beide Männer deuten diese Leipziger Semester den Frühling des lebens , wo der Samen ausgeworfen wird für alle Zukunft ; Bolide insbesondere war sich bewusst , damals die Richtung empfangen zu haben , in der er »wohl bis ans Ende weiter rollen werde« [ N . 29 VI 70 ] .
Ein Bild dieser »unvergleichlichen Tage« blickt uns wie aus einem Heckenlosen Spiegel aus den Briefen und nungen des »Bruderpaares« entgegen1 . Da führen die beiden Genossen zusammen »platonische Gespräche über alle Dinge , die einen anständigen Menschen interessiren« ; sie besuchen gemeinsam Theater , Motetten und Concerte ; sie wandern nach den Seminarübungen an langen Sommerabenden selb - ander durch's »gelobte Rosenthal« oder zum Neuen haus , traben auf Leipziger Miethsgäulen durch die 'Linie' und wohnen schliesslich eine Zeit lang im gleichen Hause . „ Viel gearbeitet in jenem banausischen Sinne haben wir nicht und trotzdem rechneten wir uns die einzelnen verlebten Tage zum Gewinn . Ich habe es bis jetzt nur dies einemal erlebt , dass eine sich bildende Freundschaft einen ethisch - philosophischen Hintergrund hatte . . . . Es gab eine ungewöhnliche Menge von Dingen , über die wir nicht zusammen klangen . Sobald aber das Gespräch sich in die Tiefe wandte , verstummte die
1 Nietzsches Briefe und Aufzeichnungen sind schon veröffentlicht oder gehn einer Publication entgegen ; ausser den Briefen lag mir von Rohde's Hand ein Stoss loser Blätter vor , Cogitata betitelt , die frühesten datirt aus dem September 1867 , die letzten aus dem August 1878 : ein Niederschlag des Besten , was Rohde damals gedacht und gefühlt hat , s . den Anhang .