Full text: Erwin Rohde

Philologische Pläne . 19 
Briefe aus ( 1er Kieler Zeit werden uns Veranlassung gelten , auf diese Dinge zurückzukommen . 
Schliesslich deckten sich auch die besonderen logischen Pläne und Arbeiten der Freunde in viel weiterem Umfange , als die Andeutungen Nietzsche's ( a . O . I S . 248 ) vermuthen lassen . Schon in jener Frühzeit beschäftigten Nietzsche — ganz wie Rohde nach dem Zeugnis seiner Co - gitata — gewisse räthselhafte ( von ihm jetzt Schopenhauerisch unigedeuteten ) Erscheinungen der antiken Religiosität , wie der Orgiasmus und das Bedürfnis nach Sühnung und Erlösung . ^ on seinen Quellenuntersuchungen zu Diogenes Laertius gehend , plante Nietzsche eine Geschichte der litterarischen Studien im Alterthum ( E . Förster I 265 ) , und für die Frage nach der Entstehung des Romans meinte er den Schlüssel in der Tasche zu haben . Das sind einige leitende Ideen aus Nietzsche's Lehrjahren und zugleich die Hauptprobleme , mit denen Rohde gerungen hat . Wessen man sich freilich , im Einzelnen , von Nietzsche zu versehen gehabt hätte , das lässt beispielsweise die verwegene Formel für die Entstehung des Romans ahnen ( 'Die Geburt der Tragödie' S . 75 ) , wonach das Vorbild des Roman's Plato gegeben hat , da der Roman „ als die unendlich gesteigerte äsopische Fabel zu bezeichnen ist , m der die Poesie in einer ähnlichen Rangordnung zûr lektischen Philosophie lebt , wie viele Jahrhunderte hindurch dieselbe Philosophie zur Theologie " . Gewiss steckt in dem Erzähler , der den Protagoras , das Symposion , den Rahmen des Staates geschaffen hat , das Zeug zu einem Romandichter im höchsten Sinne2 . Aber jener wunderlich einseitige Satz 
denz . Wenn R . z . B . an Ribbeck schreibt [ 26 VII 94 ] »dass Sie nicht nach Gastein müssen , ist ja jedenfalls ein Zeichen von Gesundheit und ¡liso y . xXà Xiav« , so schwebt ihm bei dem griechischen Citat nicht die Sep - tuaginta vor , sondern das berühmte Kapitel von der Verneinung des Willens zum Leben , das jene alttestamentliche Stelle glossirt ( Welt als W . und V . II , IV 68 S . 710 . 713 ) . 
- Bemerkenswerth ist es immerhin in diesem Zusammenhange , dass der von Rohde zu tief hinabgerückte altertümlichste griechische Roman — der des Chariton — an eine Gruppe geschichtlicher Persönlichkeiten anknüpft , die in Piatons Timäus und Kritias hineinspielt . — Uebrigens mag an Nietzsche's Paradoxon eine Bemerkung Schopenhauers über helm Meister als „ intellectuellen Roman " mit schuld sein , Parerga V S . 394 . 
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