Full text: Erwin Rohde

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Sonstige Studien . 
Nietzsche's würde bestenfalls auf einige Romane der zösischen Aufklärung oder Wieland's und Klinger's passen . Rolide hatte allen Grund , ihn einfach zu ignoriren , als er sein Buch über den griechischen Roman schrieb . Von vornherein kam es Nietzsche , wo er über das rein Handwerks - mässige hinausging , nicht darauf an , einen geschichtlichen Stoff oder Ergebnisse einer entsagungsreichen , auf das 'That - sächliche'gerichteten Forscherarbeit zur Darstellung zu bringen , sondern Sätze , die er angeregt von Aeltestem und Neuestem mehr erlebt , als gefunden hatte , mit Hilfe der 'Historie' zu bekräftigen und g e wissermassen zu materialisiren . Trotzdem kann man die befruchtende und ( nach einem seiner ausdrücke ) agacirende Kraft seiner Paradoxen , auch auf diesem Gebiet , gar nicht hoch genug anschlagen . 
Nach einer andern Seite hin mag Rohde der Neurer und Führer gewesen sein . In Leipzig lehrte der geistvolle Mitbegründer der modernen Völkerkunde , Oskar Peschel . Wenn Rohde schoii in seinem ersten Buch eine geradezu männische Sicherheit und Findigkeit in der Ausnützung nographischer Vergleiche und Parallelen an den Tag legt , so hat sich das wohl schon in den Leipziger Anfängen reitet ; Nietzsche hat diese Dinge grundsätzlich acceptirt , aber sich im Einzelnen des Apparats zu bemächtigen , lag ihm stets fern , selbst als er seine , ganz in diese Richtung weisenden Gedanken zur Geschichte der moralischen Empfindungen zu fixiren suchte . 
Dass Rohde ein Hörer und Schüler von Peschel wesen wäre , lässt sich freilich nicht nachweisen . Ausser den Fachcollegien bei Ritsehl und Curtius zeigt sein Leipziger Collegienbuch nur Einträge über Geschichte der Malerei und Geschichte der politischen Theorien ( bei v . Zahn und Roscher ) . Die kunstgeschichtlichen Orientirungsversuche wurden sehr bald , vor und während der italiänischen Reise , wieder aufgenommen , während von tiefergehenden politischen Interessen noch Jahre lang wenig zu merken ist . 
So gingen die beiden hochstrebenden Jünglinge festen Schrittes ihre eigene Strasse ; man glaubt es gern , dass sie
	        
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