Abschied von Nietzsche . Kiel . 21
von den Genossen „ wie zwei junge Götter " angestaunt wurden1 . Die letzten Tage des Sonnnersemesters 1867 wohnten die Freunde zusammen am Saum des damaligen Klein - Leipzig im »Italiänischen Garten " ; mit dem Ferienbeginn machten sie , um ihrem gemeinsamen Treiben eine rechtschaffene Krönung zu geben , eine Fahrt in den Böhmischen und Bayrischen Wald , von der in der Nietzsche - Biographie zu lesen ist ( I S . 243 , 257 ) . In Eisenach schieden sie von einander im Gefühl »tiefsten Glückes« mit dem Versprechen nicht nur durch das dünne Band der Correspondenz , sondern allem Trennenden zum Trotz durch ständige Fahrten und Unternehmungen a due ihre Gemeinsamkeit aufrecht zu halten2 . Lange Jahre ist ihnen das gelungen . Wer in die Bekenntnisse und Briefe beider einen Blick thut , wird sich innerlich bereichert fühlen durch das rührende , ganz unmoderne Bild dieser hochgestimmten •Tünglings - und Mannesfreundschaft .
Nietzsche hatte damals seine Lehrzeit schon hinter sich ; er kehrte in die Heimath zurück . RoIlde fühlte sich weder mit Ritsehl noch mit einem der Genossen durch ein lich persönliches Verhältnis verbunden ; so zog es ihn in die heimathliche Luft der nordischen Wasserkante : er siedelte , nach einigen stillen Wochen in Hamburg , im Herbst 1869 nach Kiel über .
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In den engen Verhältnissen der kleinen Universität fiel liohde in den Schoss , wonach die Hand auszustrecken er zu stolz oder zu befangen gewesen war .
1 E . Förster I 243 : dass der Typus des „ ehrsamen Philisters " mals im Seminar , und vollends in der Societiit die Alleinherrschaft habt habe [ W . Schmid S . 89 ] , ist freilich eine unbegründete Annahme .
3 „ In erster und einziger Stellung Dr . Erwin Rohde , von bester und seltenster Sorte und mir in rührender Liebe treu zugethan " , so charak - terisirt Nietzsche 1869 einem andern Bekannten gegenüber das nis ( P . Deussen , Erinnerungen an Fr . N . , S . 67 ) . Der Briefwechsel zwischen den beiden Freunden setzt schon mit dem 10 . September 1867 ein , wo Rohde von Hamburg aus Nietzsche ein Bild Schopenhauers schickte : »So hänge den Alten also auf wie ein Schiboleth der kleinen Ketzerge - meinde , und denke dabei auch , wie ich Dir dadurch ein Zeichen meiner Dankbarkeit geben wollte für die herzliche Theilnahme , die Du mir querköpfigem Kerl erwiesen hast« .