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Kiel . P . W . Forchhammer . O . Ribbeck .
Freilich , mit dem »Nestor« der Facultät , dem mythologischen »Wasserdoctor« P . W . Forchhammer , wollte sich kein hältnis herausbilden1 , so sehr sich die Interessen beider lich deckten . Der junge Mann , der ganz und gar »de notre siècle« war und sein wollte , hatte nichts gemein mit dem dererstandenen Olaus Rudbeck . An diesem Missverhältnis hat Kohde schwer gelitten , zumal es sich bald auch in praktischen Fragen peinlich genug bemerkbar machte .
Um so förderlicher gestalteten sich die Beziehungen zu 0 . Ribbeck . Rohde hörte bei ihm 1867 / 68 die schönen Vorlesungen über die griechische Tragödie , später lateinische Syntax2 , und nahm mehrere Semester an seinen Seminarübungen theil . Die Erstlingsarbeit über Pollux beantwortet eine damals von Ribbeck gestellte Preisfrage und wurde auf seinen trag mit dem Schassischen Preise gekrönt3 . Von vornherein fühlte sich Rohde durch seines Lehrers »Frische und ktinstle - risch - ästhetischeFeinfühligkeitc angezogen ; gemeinsame Freunde — der Historiker - Junghans und seine Frau , Rohde's wandte — und fürsorgende Briefe des alten Ullrich gaben dem Verhältnis bald einen persönlichen Ton , so dass Rohde auch im Hause des Lehrers heimisch zu werden begann , in
1 Die amüsante Vorstellung des »Peter Wilhelm als Wasserdoctor« wird in einem Brief an Nietzsche als Tema con variazioni delt . Die völlige Nichtigkeit dieser Theoreme blieb Rohde schon als Studenten keinen Augenblick verschleiert , während 1864 Forchhammers Hellenika von sehr achtungswerther Seite als „ ein geistreiches Buch " bezeichnet wurden . In der vor kurzem erschienenen Biographie hammers ist von Rohde begreiflicher Weise keine Rede .
' »Collégien , die man begreiflich hier in dem kleinen Nest nicht mit solcher Feierlichkeit schwänzen kann , als wir weiland in Leipzig« schreibt er an Nietzsche 29 II 68 .
3 Darauf bezieht sich der humoristische Glückwunsch Nietzsche's bei E . Förster a . a . O . I S . 273 . Rohde antwortet 15 VIII68 : »Mit meinem Preisruhm ist's nicht weit her ; in aller Welt wird eine Preisaufgabe mal gekrönt . In Kiel hat solch ein Ereignis nur das Angenehme , dass es baare 96 Rthlr . mit sich führt . « Ribheck nennt die Arbeit in einem Zeugnis , das er Rohde ausstellte [ 15 X 68 ] , „ eine schöne Probe nicht nur der Arbeitskraft und Gewandtheit . . . , sondern auch gründlicher Methode und glücklichen Scharfsinns " . Dem Lehrer stellt der Schüler in gleichzeitigen Briefen eine Art Gegenzeugnis aus , das nach einigen skeptischen Bemerkungen über Ribbeck's Horazkritik in den Worten gipfelt , Ribbeck sei »auf keinen Fall jemals trivial« .