Full text: Erwin Rohde

A . v . Gutsehmid 
23 
dessen Gattin er später seine » erprobteste Freundin verehrte . Ribbeck rühmt in Briefen an Ullrich Rolides Arbeitskraft und die geistige Feinheit , die er im Gespräch an den Tag lege : „ Rohde verspricht wirklich Bedeutendes zu leisten " , schreibt er im Frühjahr 1868 , „ seine Arbeiten haben einen leichten lichen AVurf und er hat offenbar Erfindung " [ 12 IV 68 ] . So hat doch erst Rihbeck Rohde wirklich 'entdeckt' . In ihm wann Rohde einen Ersatz für den Meister , wie für den nossen : einen ideenreichen , seine weitausholenden Studien mit offenem Sinne würdigenden Lehrer und ein gleichgestimmtes »wirklich treues Freundesgemüth« [ X . 12 VII . 72 ] . Das schöne Verhältnis hat , durch gelegentliche Meinungsverschiedenheiten wohl einmal auf die Probe gestellt , aber nie gestört , den bis zu dem fast gleichzeitigen Tode der beiden Trefflichen . 
Von den übrigen Kieler Docenten ist an erster und ziger Stelle Alfred von Gutschmid zu nennen : »ein kleiner blasser Mann mit einem gewaltigen Schnauzbart , persönlich , wie alle Sachsen , sehr zuvorkommend , innerlich wie mir scheint fein organisirt . . . . ; eine ähnliche Gelehrsamkeit habe ich mein Lebtag nicht gesehen . « Rohde hat 1867 / 68 und 1868 sämmtliche Vorlesungen und Uebungen Gutschmid's besucht ( Griechisch - römische Geschichte seit Pyrrhus , Historiographie , Xenophon's Athenerstaat , historische Uebungen ) ; wenn er sehr bald die Quellenkritik antiker Schriftsteller mit männischer Sicherheit angreifen und in der Analyse der nologischen Systeme selbst als Bahnbrecher auftreten konnte , so erkennt man unschwer die Schule des scharfsinnigen gliederers der geschichtlichen Ueberlieferung , dem Rohde später auch als College und Freund nahegestanden hat . Diese rischen »Allotria« bei Gutschmid waren aber auch der erste Schritt auf dem Wege , der Rohde später zu einer vertieften geschichtlichen Auffassung seiner " Wissenschaft führte . In einem Brief an Nietzsche , wo er von der »historischen Gesellschaft bei Gutschmid« spricht , spöttelt er zwar , auf alte , von Nietzsche später formulierte Lieblingsmeinungen hindeutend : »nun bitte ich Einen , ich und Historie ! « Aber gerade dadurch verräth er , dass er sich der principiellen Bedeutung dieser Wendung doch schon damals bewusst war .
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.