A . v . Gutsehmid
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dessen Gattin er später seine » erprobteste Freundin verehrte . Ribbeck rühmt in Briefen an Ullrich Rolides Arbeitskraft und die geistige Feinheit , die er im Gespräch an den Tag lege : „ Rohde verspricht wirklich Bedeutendes zu leisten " , schreibt er im Frühjahr 1868 , „ seine Arbeiten haben einen leichten lichen AVurf und er hat offenbar Erfindung " [ 12 IV 68 ] . So hat doch erst Rihbeck Rohde wirklich 'entdeckt' . In ihm wann Rohde einen Ersatz für den Meister , wie für den nossen : einen ideenreichen , seine weitausholenden Studien mit offenem Sinne würdigenden Lehrer und ein gleichgestimmtes »wirklich treues Freundesgemüth« [ X . 12 VII . 72 ] . Das schöne Verhältnis hat , durch gelegentliche Meinungsverschiedenheiten wohl einmal auf die Probe gestellt , aber nie gestört , den bis zu dem fast gleichzeitigen Tode der beiden Trefflichen .
Von den übrigen Kieler Docenten ist an erster und ziger Stelle Alfred von Gutschmid zu nennen : »ein kleiner blasser Mann mit einem gewaltigen Schnauzbart , persönlich , wie alle Sachsen , sehr zuvorkommend , innerlich wie mir scheint fein organisirt . . . . ; eine ähnliche Gelehrsamkeit habe ich mein Lebtag nicht gesehen . « Rohde hat 1867 / 68 und 1868 sämmtliche Vorlesungen und Uebungen Gutschmid's besucht ( Griechisch - römische Geschichte seit Pyrrhus , Historiographie , Xenophon's Athenerstaat , historische Uebungen ) ; wenn er sehr bald die Quellenkritik antiker Schriftsteller mit männischer Sicherheit angreifen und in der Analyse der nologischen Systeme selbst als Bahnbrecher auftreten konnte , so erkennt man unschwer die Schule des scharfsinnigen gliederers der geschichtlichen Ueberlieferung , dem Rohde später auch als College und Freund nahegestanden hat . Diese rischen »Allotria« bei Gutschmid waren aber auch der erste Schritt auf dem Wege , der Rohde später zu einer vertieften geschichtlichen Auffassung seiner " Wissenschaft führte . In einem Brief an Nietzsche , wo er von der »historischen Gesellschaft bei Gutschmid« spricht , spöttelt er zwar , auf alte , von Nietzsche später formulierte Lieblingsmeinungen hindeutend : »nun bitte ich Einen , ich und Historie ! « Aber gerade dadurch verräth er , dass er sich der principiellen Bedeutung dieser Wendung doch schon damals bewusst war .