Full text: Erwin Rohde

Briefe an Nietzsche . Erkrankung und Kur . 
27 
sei , und die ersten Blätter der Cogitata beschäftigen sich mit der peinlichen Lage eines »innerlich frei gewordenen logen« . Vor allem ist es der Briefwechsel mit dem Freunde , worin er , neben allerlei »sandigen« philologischen Debatten , seine kühnsten Stimmungen und Phantasien ausströmt . bei ist er Nietzsche gegenüber von einer Hingebung und , man möchte fast sagen : Demuth , die gerade bei ihm befremden könnte . Aber er deutet es mehr als einmal an , weshalb er vor dem Freunde , als vor der reicheren Natur , sich beugen zu müssen meinte : er spürt an ili m die mächtig pulsierende productive Ad er des Künstlers , die er bei seiner logischen Geschäftigkeit« in sich kaum noch schlagen fühlt . Und so munter und erfolgreich er sich in dem Element seiner suchungsarbeiten bewegt , so kommen doch Stunden , wo ihm Alles schaal erscheint und wo er ausschaut nach einer digen , einer wahrhaften Gestaltung fähigen Aufgabe . « Der erste ungeformte Keim des griechischen Romans mag schon damals entstanden sein . 
Unterbrochen wurde dies stete stille Schatten und Grübeln nur durch die Ferienreisen nach Hamburg ( wo freilich die dankenräder bald wieder ihren alten ruhelosen Gang gingen ) und durch eine dem Genius Thorwaldsens geltende Pfingst - fahrt nach Kopenhagen \ Nur einmal , im Oktober und vember 1868 , musste eine Generalpause gemacht werden : Bolide war , wie er seinen Freunden klagt , von einem bösartigen risch - nervösen Fieber« ergriffen , das ihn »am Tage mit jener eignen fieberhaften Unruhe und in den Nächten mit totaler Schlaflosigkeit grausam quälte« [ R . 13 X 68 ; N . 4 XII 68 ] , Man wird in dieser , wohl durch die äusserste Anspannung aller Kräfte heraufbeschwornen Erkrankung das Vorspiel späterer Leiden erblicken dürfen . Eine mehrwöchige Kur in der anstalt Beinbeck ( im Lauenburgischen ) »mitten in schönen 
1 »Vorzugsweise betete ich Thorwaldsen's unvergleichlichen Genius an : die Empfindung von der unerreichbaren Grösse dieses Mannes ist mir ein wichtiger Zuwachs . . . Sodann aber habe ich auch die ganze Art der Stadt und des Volkes recht objektiv auf mich wirken lassen« [ N . 17 VI 68J .
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.