Full text: Erwin Rohde

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Reisepläne . Nietzsche's Berufung . 
Wäldern« führte »Schlaf und Gesundheit« allmählich wieder zurück . Aber an Weiterarbeiten war vorläufig nicht zu denken . So musste denn der Studienabschluss wie die Ausführung eines lange stillgehegten ßeiseplans aufs Frühjahr verschoben werden . 
Schon seit Jahresfrist nämlich hatten sich die Freunde an dem Gedanken erbaut und aufgerichtet , nach der gung der Promotion nach Paris zu ziehn und dort eine Art akademischen Nachsommer , »den wahren Rosensommer unsres Lebens« , gemeinsam durchzukosten . »Dann soll es dort eine Existenz geben , die sich in eitel triumphirendem Tanzschritt bewegt ! . . . Wir wohnen im achten Stock , geben täglich wegen mangelnder Subsistenzmittel einige Stunden . . . und im übrigen leben wir , d . h . saugen mit allen Organen ein was Gutes und Wissenswerthes in den Museen , Bibliotheken und namentlich im Leben sich uns darbietet« [ N . 28 IV 68 ] . Schliesslich wurde das Frühjahr 1869 als Reiseterniin setzt . Da erhielt Nietzsche , noch ehe er seine Promotion erledigt hatte , im Januar 1869 einen Ruf an das Pädagogium und die Universität in Basel1 , »ein ganz beispielloses Glück , mit beiden Händen festzuhalten« . So lösten sich , zu licher Enttäuschung Rolules , die so lange und liebevoll bauten Luftschlösser der Pariser Reise »in flatternde Wolken auf« [ X . 17 1 59 ] . »Ich beneide nicht Dir die Basler , aber Dich den Baslern ; denn was mir das gemeinsame Leben mit Dir gewesen ist — und gewesen sein würde : das kann ich mehr fühlen als ausdrücken . Das Reinste und auf alle Dauer Erquickendste , ein Wohlgefühl , für das ich Dir zu tiefstem Danke verjtflichtet bin« [ N . 15 II 69 ] . 
1 Der Gedanke , Nietzsche zu berufen , ist von dem Baseler Professor Tischer ausgegangen ; als die Anfrage , ob er N . empfehlen könne , an Kitsch l gerichtet wurde , hätte er der Philister sein müssen , der er nicht war , um seinen Correspondenten kopfscheu zu machen . Nietzsche wie Rohde haben den Basler Ruf stets als ein »Göttergeschenk« trachtet , und Ueberarbeitung im Amt war es nicht , was Nietzsche's Gesundheit untergraben hat . Dass solche Dinge wie die Berufung des Studenten Nietzsche zum Professor oder die Ernennung des Litteraten Gottfried Keller zum Stadtschreiber in ihr möglich sind , darauf kann die Schweiz stolz sein .
	        
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