Full text: Erwin Rohde

Abreise nach Italien . Verona . Florenz . Rom . 
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eilte der neue Doctor nach Hamburg zurück , um die letzten Vorbereitungen zu der lang geplanten Fahrt vorzunehmen »mit seltsam gemischten Empfindungen« : aus der Pariser Bohême an der Seite Nietzsche's war die normale Studienreise nach Italien geworden . »Unsre Pariser Träume werden mir nicht ersetzt , aber ich hoffe doch mannigfachen Genuas und derung . Ich habe Goethe's Italiänische Reise wieder gelesen und daran gemessen , dass ich doch seit dem letzten Mal , da ich sie las , um Haupteslänge gewachsen bin . Es ist freilich , wie er von einem Herderschen Buch sagt , keine Speise , sondern ein köstlich Gefäss , in das ein Jeder legen mag , was er seihst mitbringt . Und nun empfand ich das Göttergleiche des Mannes in seiner Fälligkeit nur zu schauen , ohne Begriffsgrauheit , wie ein stärkendes Bad« [ N . 16 III 69 ] . So zog Rohde , Ende März 1869 , von Ribbeck mit Empfehlungsbriefen an nische Freunde versebn , nach dem Süden1 . 
Die erste Hauptstation war Zürich , wo er im Auftrag der Mutter mit seinem am Polytechnicum studirenden Jüngern Bruder zu verhandeln hatte . Dann ging es nach München 
— seitdem ein Lieblingsziel seiner Wünsche und Reisepläne 
— und über den Brenner nach Verona . Die alte Catull - stadt war es , »wo zum ersten Mal das italiänische Leben in seiner fröhlichen Buntheit und dies italiänische Sonnenlicht , das auch Trümmer und Lumpen golden verklärt , den erstaunten Blicken sich aufthaten« . Wie so mancher Nordländer bat Rohde seitdem eigentlich immer ein stilles Heimweh nach dem Süden , eine »förmliche italiänische Nostalgie« [ N . 22 III 71 ] mit sich herumgetragen . In Florenz , wo er sich mit einem alten Leipziger Bekannten , W . H . Roscher , zusammenfand , machte er in ein paar stillen Wochen die ersten Versuche , sich der altitaliänischen Kunst zu nähern ; »namentlich an der fräulichen Reinheit des Fra Angelico« hatte er seine Freude . Am 18 . April traf er in R o m ein und fand bei W . Helbig , dem ihn Ribbeck empfohlen hatte , freundliche Aufnahme . Die ersten Wochen vergingen , wie sie zu vergehn pflegen : »mit ange - 
1 Eine Reiseunterstützung aus dem Fonds einer Hamburger Stiftung , auf die Ullrich seinen Schützling hinwies , brachte eine willkommne Zubusse zum Viaticum . 
Crusius , E . " Rohde . 3
	        
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