Full text: Erwin Rohde

Ertrag der Reise . Italiänisches Volksleben . 
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beredeten . . . In L . habe ich denn auch jenen grossen besuch beim Altmeister in's " Werk gesetzt . . . Er war ordentlich liebenswürdig und , zum ersten Mal gegen mich , wirklich herzlich« [ N . 29 VI 70 ] , Mitte Juni , als eben die ersten AVölkchen des heranziehenden Kriegswetters am zont emporstiegen , traf Rohde wieder in der Heimath ein . 
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Zieht man mit Rohdes Briefen das Facit dieser derungen , so gewinnt man den Eindruck , dass hier vor Allem ein ganzer Mensch von dem »Lande der Wunder« redet . Als den wichtigsten Zuwachs empfand Rohde selbst ( nach einem Briefe an Ribbeck ) »die Aufnahme dieses neuen fremden Lebens und der Bilder dieser unvergleichlichen Landschaft« . In der That hat er sich mit der Abenteuerlust und dem offnen Blick des geborenen Beobachters , der nihil immani a se alienimi putat , in diesem fremden Leben zu bewegen standen ; bald fesselte ihn ein schwermüthiges Volkslied , das zu ihm heriiberklang , bald die markante Gebärdensprache eines Süditaliäners und der groteske dionysische Humor des Carnevals oder eines Volkstheaters . Dabei kam es ihm sehr zu statten , dass er sich ( nach dem Zeugniss seines sellen W . H . Roscher ) „ mit bewundrungswürdiger keit das italiänische Idiom aneignete , bis hinein in dialektische Feinheiten " 1 , für die er überhaupt ein offenes Ohr hatte ( das können die bezeugen , die ihn in guten Stunden schwäbeln oder sächseln hörten ) . Wie ihm nichts Menschliches fernlag , zeigt eine Scene die Roscher berichtet : „ Wir befanden uns auf dem sogen . Felsen des Tiberius und ein paar hübsche Mädchen forderten Rohde und mich auf , mit ihnen die rantella zu tanzen . Ich lehnte ab , aber R . tanzte mit und machte mit seinen scharfgeschnittenen Zügen den Eindruck eines geborenen heissbliitigen Italiäners . Es war ein Bild zum malen . . Nicht unmöglich , dass dieser Tanz von Bedeutung für Rohde's Auffassung des Orgiasmus geworden ist " 2 . Nicht 
1 So versteht sich's , dass er später in kritischer Zeit den Gedanken fassen konnte , irgendwo in Italien eine Stelle anzunehmen ; »die Sprache würde ich sehr bald vollkommen sprechen können« [ N . ] . 
2 Auch Rohde erwähnt die Episode in einem Brief an die Mutter
	        
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