Full text: Erwin Rohde

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Richard . Wagner . 
tauchen1 , jenen auf unmittelbare Wirkung 'unter den Besten' berechneten , durch ganz persönliche Erfahrungen und mungen beseelten Barockstil , der das äusserste Befremden der » Philologenkaste « erregen sollte ; er begann , im Sinne seiner zweiten Unzeitgemässen , Litteratur - und Musikgeschichte numental' darzustellen . 
Rohde , längst ein überzeugter Wagnerverehrer , sah sich durch die lebensprühenden Briefe des Freundes in diese neue Atmosphäre wie mit magischer Gewalt hinübergetragen2 . Auch die eben erscheinenden ersten Bände der Gesammelten Schriften des Meisters thaten ihre Wirkung . Als der Ergänzer und Vollender des grossen Werkes unsrer Feldherrn und männer , als der Retter der deutschen Cultur in den fahren , vor denen wir Rohde bangen sahen —■ erschien ihm nun der künstlerisch - philosophische Genius Richard Wagners . »Auch die Baireuther Pläne scheinen ja ihrer Reife nahe zu sein - . . . Das wäre nun freilich ein seltsam erfreuliches spiel , wenn sich mitten in unsrer . . . Zeit wüste eine Oase fände , wo man sich in freiem Stolze seines Adels freute . Ach , wann wird denn dies deutsche Volk es neu begreifen — denn es hat's doch nur vergessen — dass es im eigentlichsten Sinne der Adel der Völker zu sein bestimmt ist . So viel Treue und Liebe und Wärme noch in dieser Nation , aber wo ist jener sich aufschwingende Zug , der zu Schillers Zeit . . . die Besten 'hoch über die tiefen Thale' empor riss ! Geht nicht seit Jahrzehnten eine Ahnung kommender Barbarei durch so manche edelsten Geister , und wer weiss denn , ob der äussere Kern bei uns einem plötzlichen Losbruch viel fester stehen würde , als bei unsern armen Nachbarn , wo jetzt die entfesselte Hölle . . . alles Edle ausrottet . . . Eines lich wird sich gut erproben , die Königstreue . Man rüttele doch um Alles an diesem letzten Ideal so vieler einfältiger Herzen nicht ; ich glaube , dass den unseligen Franzosen eben das den letzten Stoss giebt , dass sie nicht Treue halten kön - 
1 Vgl . z . B . R . an N . 20 IV 71 . 
2 Nietzsche sandte ihm schliesslich seine »Triebschener Briefe und Papiere« ; Rohde dankt gerührt ; er erbaut sich an der in ihrem Innersten bewegten machtvollen Natur namentlich Wagner's : »wie läutendes Erz , stark und innig . . . » [ N . 6 II 72 ] .
	        
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