Full text: Erwin Rohde

Pläne eines Zusammenlebens mit Nietzsche . 
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nen . Wahrlich , sie ist kein leerer Wahn , und so ist es alles das nicht , was man aus innerem Herzensdrang , aufrichtig bend , festhält —« [ N . 28 V 71 ] . 
Bei Nietzsche verdichteten sich die Erlebnisse und mungen dieser im Bannkreis Wagner's verlebten Monate zu dem phantastischen Plan , sich mit seinen Freunden , vor Allem mit Rohde , in einer Art von »Musenkloster« zu dauernder Gemeinschaft zusammen zu schliessen : der Vorbote jenes noch phantastischeren Traumes von einer die Erziehung des neuen Geschlechtes leitenden Brüderschaft , der sich ( in dem Bericht bei E . Förster - N . II S . 117 ff . ) liest , wie ein Stück ton oder Wilhelm Meister . Rohde liess dergleichen von herein nur als »Wunsch« gelten ; an eine Erfüllung , eine körperung im Leben , auch nur einen Augenblick zu glauben , war er schon damals zu skeptisch . »Unser Zwiespalt mit der 'Jetztzeit' ist gewiss keine Grille . . . , sondern , wie du ganz richtig sagst , eine No th : aber es giebt wohl Nöthe , die keine Heilung kennen« ( N . 29 XII 70 ) . Nach der »weltfernen Insel« in Triebschen blickte er freilich mit stiller Sehnsucht hinüber ; gerade damals begann er , sich in Wagners schriften zu vertiefen und , wie bei Schopenhauer , im Künstler den Menschen zu suchen . 
Ganz anders schlug ein andrer Gedanke Nietzsches bei R . ein . Kurz vor seiner Reise nach dem Süden , im Februar 1870 , wies Nietzsche auf die Möglichkeit hin , den Freund , um dauernd mit ihm leben zu können , an seine bisherige Stelle als Philologen nach Basel zu bringen und selbst auf das biet der Philosophie hinüberzulavieren . Rohde wagte kaum »seine Hoffnungen auf ein so unerwartetes Glück , das grösste das er sich wünschen könne , die Köpfe erheben zu lassen« , fühlte sich aber doch monatelang wie unter einem lähmenden Banne . »Das Geheimnis , unzufrieden zu sein besteht bar hauptsächlich darin , dass man nie das Vorhandene als ein definitives betrachtet . . . Also iterum iterumque : schreibe mir alsbald , dass die Sache gescheitert ist« [ N . 22 III 71 ] . selbe Brief brachte die Nachricht von dem Zerflattern dieser Pläne und von Nietzsche's Erkrankung . So sehr sich Rohde bemüht , dem Freunde gelassenen Zuspruch und Rath aus den 
Crusius , E . Rohde . 4
	        
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