Full text: Erwin Rohde

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Wiedersehn in Leipzig . 
eignen Leidenserfahrungen zu spenden 1 : das Ende ist doch eine wahre Elegie um die gescheiterten Hoffnungen . »An ein Zusammenleben dürfen wir nun zunächst nicht denken ; und das wäre doch mein höchster Wunsch , denn überall derswo komme ich mir seltsam fremd und gleichgültig vor . Lass uns wenigstens auf gelegentliche Zusammenkünfte auf Ferienreisen und dergleichen hoffen ; wir könnten z . B . das Rheinland als 'neutrale Zone' constituieren . . . « [ N . 22 IV 71 ] . In der gleichen AVeise zerrann der wiederum von sche angesponnene Plan , Rohde nach Zürich zu lancieren und dadurch 'freundnachbarliche' Beziehungen herzustellen . Aber der Feuereifer , mit dem Nietzsche jeder Möglichkeit den Freund in seine Nähe zu ziehn , immer wieder nachjagt , hat etwas Ergreifendes . 
Nun sollte in ein kurzes Zusammentreffen in Leipzig Alles zusammengedrängt werden , was die Freunde einander sein und sagen konnten . »Das sollen uns selige Tage werden ; und rade in dem alten , so lieb gewordenen Nest , wo jeder tritt uns an jene frohen und bewegten Stunden jenes liebsten Lebensjahres gemahnt ! . . . Yon mir ist sonst nichts zu den , als dass ich . . . am Vorgenuss unserer Leipziger Con - ciliabula knuppere , viel über Land lauf , in Hecken sitze und griechische Scharteken lese und , in diesem tröstlich sanften Herbstwetter , fast etwas wie das Kribbeln eines embryonischen Musikflügels ( alla Platon ) fühle . . . So blau sah ich im den die Schatten nie , nie das Meer so homerisch dunkel und veilchenfarbig . — Also ade , liebster Seelengenosse und auf ein freudiges . . Zusammentreffen im alten Leipzig« . Man glaubt in der That zu spüren , wie der Gedanke an das Wiedersehn mit dem Freunde Rohde's Stimmung förmlich beschwingt2 . Am 9 . Oktober traf R . »mit Pauken und Trom - 
1 »Lass einstweilen alle Musik bei Seite ; sie ist der Tod der Nerven , wenn sie einmal überspannt sind , wie sie ihre höchste Erfrischung in normalen Zuständen ist . Auch die schöne Einsamkeit . . . . ist bei venleiden eine Pein und wie ein Krankheitszustand ; man kann , im Ge - gentheil , jede in gleichgültiger Gesellschaft vergessene Stunde für ein Heilmittel ansehen . . . « N . hat bekanntlich den Rath des Freundes nicht befolgt , und wohl auch nicht befolgen können . 
2 Briefe von gleichem Charakter kurz vorher von Wyk auf Föhr ;
	        
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