54
Die Pythagoraslegende .
( als den Vertheidiger des alten Hellenenthums gegen den ziehenden Hellenismus ) vorträgt , leuchtet in der That bis in den tiefsten Grund dieser problematischen Persönlichkeiten — und des Schreibers selbst .
Von grössern Untersuchungen wurde nur eine abgeschlossen , in der Rolide seine bei Gutschmid geschulte technik auf ein ihn ganz persönlich interessierendes Gebiet richtet : der Aufsatz 'über die Quellen des Jainblichus in seiner Biographie des Pythagoras' ( Ph . Mus . XXVI . XXVII 1871 . 1872 = Kl . Sehr . II 102 ff . ) 1 . Schon in der Wahl des Problems zeigt sich der sichre Instinkt des gebornen Forschers . Diesen grobnäthigen Centunculus konnte man in der That mit einiger Zuversicht aufzutrennen und schichtweise in seine Bestandteile zu zerlegen versuchen . Freilich gehörte dazu eine sichre Hand und vor Allem ein feiner Blick für das Charakteristische der ausgezettelten Originale . Rohde hat diese entsagungsvolle , aber ertragreiche Arbeit in mustergil - tiger Weise erledigt ; in der Hauptsache , der Analyse des Jamblich , wird man wenig zu bessern finden , mag man auch an dem stets hypothetischen Stemma der Quellen gelegentlich herumrücken2 . Aber auch in sachlicher Hinsicht hat Rohde's Aufsatz , ganz anders als die sterilen Quellenuntersuchungen andrer Anfänger , freie Bahn geschaffen ; erst er hat die züge einer Geschichte der Pyt li ago raslegende fest gelegt und damit eine geschichtliche Erkenntnis und digung dieser räthselvollen Persönlichkeit angebahnt . Jakob BüRCKHABDT in seinem anziehenden Vortrage über den alten Propheten geht sichtlich durchweg von Rohde's ungen aus3 .
In der That war es das Interesse für die Sache , nicht die öde Absicht , seine kritischen Künste spielen zu lassen , was Rohde auf das Thema geführt hatte . »In letzter Zeit
1 Ueber die Entstehung und das letzte Ziel der Schrift geben Briefe an Nietzsche aus dem Frühjahr 1871 werthvolle Aufschlüsse .
2 Einige wichtige Nachträge bei Rohde selbst im 'Gr . Rom . ' S . 253 '' .
3 Vgl . jetzt die 'Kulturgeschichte' III 312 ff . — Nachträglich bietet ein Brief Rohde's die Bestätigung : »Bitte mich Burckhardten zu len ; ich danke ihm für seinen Antheil an meinen pythagoreischen nigkeiten« [ N . 9 I 72 ] .