Studien zum griechischen Roman .
55
war ich vielfach mit Pythagoreischen Dingen beschäftigt ; das Problem ist nach allen Seiten interessant . . . . Beiläufig : ein Buch über griechische Mystik bliebe auch nach Lobeck noch zu schreiben : Der Mann kennt Alles , hat den klarsten Verstand , aber die Liebe nicht , die jeden Gegenstand erst innerlich verständlich macht . Wie ich diese fatale Göttinger Weisheit1 von der 'Heiterkeit des ächten Griechenthums' hasse . Dionysus hatte ganz ebenso tiefen Eintìuss , als der Göttinger aufgeklärte Apollo . . . Zwischen Homer und Aeschylus mitten liegt eine Zeit tiefster mystischer Erregung und einer inneren Vertiefung , von der mir die dache Klarheit alexan - drinischer Zeit gar so wenig übrig gelassen hat . Niemals haben ernstere Naturen dieses einzigen Volkes sich zu der Flachheit modern - optimistischer 'Selbstverständlichkeit' der Welt und der Menschengeschicke . . . herabgelassen« [ N . 22 IV 71 ] .
Man sieht , wie Rohde dem Verfasser der 'Geburt der Tragödie' auf halbem Wege entgegenkommt ; auch wird lich das Motiv angegeben , auf dem sich die glänzendsten schnitte der 'Psyche' aufbauen .
Gleichzeitig rüstete Rohde sich zu seiner ersten litterarischen Meisterleistung . Er hielt 1871 / 72 Vorlesungen über einen Gegenstand , der wohl noch nie auf deutschen Hochschulen eingehend behandelt war : über die Geschichte des chischen Romans .
Kein Zweifel , dass R . schon längst , ohne den Stoff in allen Einzelheiten durchgearbeitet zu haben , aus der Analyse der erhaltenen Liebesromane die leitenden Gedanken des Buches intuitiv gewonnen hatte ; die scheinbar disparatesten Studien ( über die Paradoxographen , die Fabel und Novellenlitteratur , die alten Rhetoren ) verbinden sich hier zu einer höheren heit . Wirklich entwirft Rohde schon in der Recension von Teuffel's 'Studien und Charakteristiken' ( Centralbl . 1872 , 85 ) die Umrisse seiner Darstellung . Zum Ausarbeiten fand sich freilich , bei den immer neuen Aufgaben die der Tag brachte , keine Musse . Aber das Problem , das ihn beschäftigte , gleitete ihn überall ; so wurden dessen Wurzeln bis in die
1 Gemeint sind als »Typus : B . Curtii Göttinger Festreden« , s . S . 2 .