Full text: Erwin Rohde

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Nietzsche's 'Geburt der Tragödie' . 
letzten und feinsten Fasern verfolgt und der Stoff — von einem principiell ausgeschlossenen Punkte abgesehn — mit einer geradezu erschöpfenden Vollständigkeit zusammengeschafft , wie etwa in den Büchern Lobeck's . 
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Mitten hinein in dies stille , arbeits - und ertragreiche siedlerleben , dem die Verbindung mit Wagner und seinem Werk eben eine höhere Weihe zu geben schien , klang tönend der Spott lind Lärm , der sich um das erste Buch Nietzsches erhob : um seine 'Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik' ( 1872 ) . Bolide fand , nach einem wahren Passionsgange von einer Bedaktion zur andern1 , endlich bei der norddeutschen allgemeinen Zeitung die Thür offen ; sein 'bakchischer Panegyrikus' ( wie Bitsehl ihn nannte ) ist in den Kl . Sehr . ( II 340 ) wieder abgedruckt . Als dann die kunftsphilologie' erschien ( Berlin , Gebr . Borntraeger 1872 ) , fuhr Bohde mit achilleischer Wucht dazwischen in einer teidigungsschrift »mit dem von den Basler Freunden gebenen gräulichen Titel Afterphilologie« [ R . ] . Auch Rohde wandte sich darin wie Nietzsche »an R . Wagner als den patronus causae«2 , eigentlich aber »an die Herren Philologen , um sie zu ersuchen , aus dem Buche zu lernen , dass sie , aufhörend blosse Wortklauber zu sein , sich als eine Garde der edleren Bildung constituiren mögen , als wozu sie , an den Griechen , allein das leitende Vorbild haben können« . Man hat gemeint , dies Eintreten für Nietzsche habe für Bohde ein Sacrifizio dell' 
1 Sowohl das litterarische Centraiblatt ( Fr . Zarnckk ) wie der logische Anzeiger ( E . v . Leutsch ) lehnten , bezeichnend genug , eine sprechung aus der Feder ihres Mitarbeiters ( nicht den 'Hymnus' der N . A . Z . ) ab [ N . 29 I 72 ; 6 II 72 ] . Ueberrascht wurde Rohde durch dies sal nicht . »Mir liegt , in dieser Angelegenheit , immer das Schillersche Epigramm von 'Weisheit und Klugheit' im Sinne : in Alexandria aber wohnen , ausser einigen klugen Ritschis — die , wie der Landpfleger sprechen werden : „ Du rasest " — zahllose Dumme , und ganz Einzelne , die nach tiefer Weisheit dürsten . Diesen Dummen klänge die neue Mähr nicht anders als chinesisch ! « [ N . 9 I 72 ] . 
2 Der Entschluss , der Streitschrift diese Form zu geben , ist von Rohde selbst ausgegangen , wie ein Brief an Nietzsche [ 18 IV , ähnlich 12 VII 72 ] beweist . Vgl . auch N . an v . Gersdovff , Ges . Briefe I S . 133 ft' .
	        
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