Aufgabe der Antike . Ton der Polemik .
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tige Ueberzeugung ausspricht : dass eine Zeit nicht auf dem rechten Wege sein könne , in der , wie aus einem Sumpfe der allerfrivolsten Civilisationsverhältnisse eine Blüthe der feinsten und reichsten Wissenschaft erblüht , die zwar mit jenem Sumpfe gar nichts gemein , aber auf ihn auch gar keine sichtbar edelnde Wirkung hat . Und ist es nicht ganz gewiss , dass die wunderliche Tendenz einer Zeit , die mit einer , Millionen schaftlicher Erkenntnisse nur addire n d e n Thätigkeit sich über die Nothwendigkeit einer alle Einzelheiten . . . ordnenden und beseelenden Gesammtanschauung und ethischen Gesammt - empfindun^ hinwegsetzen zu können meint — dass diese philosophische , antireligiöse , unkünstlerische Wahnvorstellung dieser rein 'wissenschaftlichen' Zeit sich auch unsrer schaft , in den jüngsten Vertretern am Meisten , entseelend und erkältend , bemächtigt hat ? Und wenn nun schliesslich N . eine Kräftigung des künstlerisch - philosophischen Sinnes . . . von den — was nur der gemeine Neid verkennen kann — sten , kraftvoll erhabenen Bestrebungen des einzigen wärtig lebenden weitathmigen Künstlers der deutschesten Kunst , der Musik , in vielleicht zu enthusiastischer Bestimmtheit hofft : — so konnte man seinen Irrthum , wenn es denn ein solcher ist , ehrlich widerlegen ; aber wie die Philologen , auch die Vielen unter ihnen , denen das . . . 'Ideale' eine ernstliche Herzenssorge ist , — wie auch diese , durch die Besonderheit seines Glaubens und seiner Darstellung . . . zur völligen werfung des tiefern und allgemeineren Gehaltes seines Buches hingerissen , ihn wie einen Aussätzigen meiden können . . das verstehe ich nicht , gegenüber der so sehr gebotenen Waffengemeinschaft der wenigen 'Edlen' gegen die andringende Masse . . . « [ R . . o . D . 1872 ]
In dem Verfasser des »Pamphlets« hatte das paar einen solchen Waffengenossen zu finden gehofft ; um so schmerzlicher war die Enttäuschung . Rohde's Grimm wurde nun ( wie die Briefe zeigen ) aufs äusserste gesteigert durch
1 Die Antwort Ribbecks [ 18 XI 72 ] in dessen Briefen , Nr . 194 S . 302 f . Hingewiesen sei noch auf die Aeusserungen in den Cogitata , vor Allem Nr . 44 , wo Rohde meint , N . hätte , um Missverständnissen vorzubeugen , dem Ganzen eine poetische Form geben können : eine Vorahnung des Zarathustra - Stils .