Full text: Erwin Rohde

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Positiver Ertrag . 
die verletzende »persönliche« Haltung dieser Jugendschrift Ulrichs v . Wilamowitz , und durch gewisse Flüchtigkeiten , die Roh de als bewusste »Entstellungskunst« , als »Flausen und Finten« zu deuten geneigt war1 . 
So ist in der That auch die Gegenschrift Rohde's — die erste , in der er sich an ein weiteres Publikum wendet — auf einen Ton gestimmt , der von seiner , bei aller lichkeit vornehmen und gehaltenen Polemik andern Forschern gegenüber erheblich absticht . Gegen den Angreifer blieb in Bolide ein dauernder Groll zurück , der weder durch dessen späteres Schaffen noch durch den Einñuss gemeinsamer kannten ( wie Fr . Matz ) gedämpft werden konnte . 
Ganz ohne positiven Gewinn ist aber auch dies mezzo nicht geblieben . Mit wohlthuendem Enthusiasmus den die Aufgaben einer wahren , »seelenvollen« kunde gezeichnet ( ein schönes Schlagwort , das auch in Rohde's Briefen gern gebraucht wird ) und im Gegensatz zu v . lamowitz manche litterarhistorische und ästhetische fragen fruchtbar behandelt , wie der musikalische Vortrag der Elegie ( weiter verfolgt im Roman S . 139 ) , die Geschichte des Dithyrambus , die lyrische Tragödie , die Parakataloge , die Analogie zwischen Dichtung und Traum , die Verwandtschaft des dichterischen Schaffens mit musikalischer Stimmung2 . 
1 Z . B . wenn v . Wilamowitz 'Zukunftsphilologie' S . 30 Nietzsche die Kunst absichtlichen Verschweigens vorwirft , während Nietzsche das von seinem Gegner angerufene Zeugnis ausdrücklich bespricht , vgl . terphilologie' S . 17 . 41 . 
2 Die Stelle Otto Ludwigs , die R . 'irgendwo' gelesen zu haben sich erinnert ( S . 14 ) steht jetzt in Ludwigs Selbstbekenntnissen am Schluss der gesammelten Werke . Uebrigens gehört Ludwig zu den Künstlern mit dramatisch - musikalischem Doppeltalent nach der antiken Norm wie Wagner , nur dass die musikalische Seite bei ihm wohl von vornherein schwächer war und schliesslich verkümmerte . Ueber die 'Dichterträume' hat Roh de , die Andeutungen S . 16 ausführend , noch öfter gesprochen , vor Allem im 'Roman' S . 92 . Ganz und gar in Nietzsche's und Rohde's Gedanken stimmen ein die Bekenntnisse P . Heyses , 'Jugenderinnerungen' S . 346 : „ Nun vollzieht sich freilich der beste Theil aller künstlerischen Erfindung in einer geheimnissvollen unbewussten Erregung , die mit dem eigentlichen Traumzustand nahe verwandt ist . . . Mehrmals aber , zumal im morgendlichen Halbtraum , ist es mir begegnet , Motive zu erfinden , die ich dann nach dem Erwachen fortspann und sofort zu runder wicklung brachte . . Von antiken Poëten wäre noch Statius zu
	        
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